Die Liste der anlaufenden Filme wird von Woche zu Woche länger: Diese Woche waren es zehn Neustarts, kommenden Freitag werden in Österreichs Kinos gar 13 neue Titel anlaufen. "Ein Rückstau, der sich wegen der Corona-Zeit gebildet hat, und der jetzt Schritt für Schritt abgebaut werden muss", so Kinobetreiber und Verleiher Michael Stejskal. Sein Votivkino in Wien, das sich eher auf Arthaus-Filme und Filmkunst spezialisiert hat, erlebt wieder regen Zulauf, seit die Corona-Maßnahmen gelockert wurden. Das Programm: Von Viggo Mortensens Regiedebüt "Falling" bis zum Austro-Gefängnisdrama "Fuchs im Bau" ist alles, was Anspruch hat, mit im Angebot.

Anders ist die Situation bei den großen Kinocentern gewesen, die erst mit 18. Juni wieder in Betrieb gingen. Bei Marktführer Cineplexx braucht es breitenwirksames Blockbusterkino, um die Säle zu füllen. "Die lange Wartezeit war natürlich herausfordernd, hat uns jetzt allerdings dieses Feuerwerk an großartigen Filmen gebracht, auf das wir uns jetzt, im Sommer und das gesamte Jahr freuen können. Das richtige Kinoerlebnis ist zurück und lässt uns in fantastische Geschichten eintauchen und den Alltag für kurze Zeit vergessen", zeigt sich Christian Langhammer, Chef der Cineplexx-Gruppe, erfreut.

Kassenschlager kommen

Auf dem Spielplan stehen aktuell Filme wie "Cruella", "A Quiet Place 2", "Weißbier im Blut", "Mortal Kombat" oder "Chaos Walking". Im Laufe des Sommers folgen noch zahlreiche weitere Highlights wie "Cash Truck", "Catweazle", "Black Widow", "Fast & Furious 9", "Kaiserschmarrndrama" und "The Suicide Squad".

Die Schließzeiten hat man bei Cineplexx genutzt, um Kinos umzubauen, zu modernisieren, oder gar neue Technik einzubauen. Im neu gestalteten Cineplexx Millennium City öffnete dieser Tage der erste MX4D-Kinosaal in Wien: 14 sensorische Extra-Features sollen dafür sorgen, "dass Kinofans mittendrin statt nur dabei sind", so Cineplexx-Co-Chef Christof Papousek. "Der MX4D Saal ist unser Herzstück im Cineplexx Millennium City. Hat man dort erstmal Platz genommen, kann man Filme nicht nur sehen und hören, man kann sie auch spüren. Dadurch bekommt das Motto ‚Kino mit allen Sinnen erleben‘ eine ganz neue Bedeutung", so Langhammer. Neben Nebel, Wind und Regen bietet das MX4D Erlebnis auch Blitzeffekte, Schnee, Geruch, Bewegung, Bein- und Nackenkitzler, Bubbles und Regen sowie Sitzvibrationen und bewegliche Sitzelemente.

Action an allen Fronten also, die versuchen soll, die in der Pandemie faul gewordenen Kinobesucher zurück in die Säle zu locken. Denn nach fast einem Jahr Stillstand und der erzwungenen Abwanderung des Publikums auf die Wohnzimmercouch leidet die Branche an fehlenden Rücklagen; ein weiterer Corona-Herbst wäre für viele Betreiber, Verleiher und Produzenten schlicht verheerend.

Spektakel gesucht

In den USA, wo der Kinosektor 2019 rund 20,8 Milliarden Dollar schwer war, wird eifrig an der Rückkehr zu alter Form gearbeitet. Blockbuster und spektakuläre Schlachten spielen dabei immer noch die wichtigste Rolle, denn dies sind in der Regel Filme, die wegen ihres Schauwertes besucht werden, weniger wegen der Geschichte. Special Effects kommen am besten auf einer fünfstöckigen IMAX-Leinwand, jedoch weniger gut am Heim-TV und noch schlechter am Handy. Die Frage der kommenden Jahre wird sein: Gelingt es, derart spektakuläre Filme zu drehen, dass das an Netflix & Co. verlorene Publikum in Scharen zurück in die Kinos strömt?

Zumindest für den chinesischen Markt gehen Analysten davon aus, dass dies gelingen kann - auch dank des Einsatzes von US-Blockbustern. China ist für die USA längst der wichtigste Auslandsmarkt. 2020 wurden dort in der Pandemie bloß 3,4 Milliarden Dollar umgesetzt, dieser Wert soll bis 2026 auf geschätzte 16,5 Milliarden ansteigen, bei jährlichen Wachstumsraten von starken 30 Prozent.

Das wird aber nur gelingen, wenn Blockbuster wie "Fast & Furious 9" entsprechend einschlagen. Dessen Regisseur Justin Lin glaubt fest an die Kraft des Kinos als Ort für solche Filme: "Uns geht es beim Drehen darum, eine Verbindung zum Zuschauer herzustellen", sagte Lin in einem Interview. "Und auch darum, dass die Zuschauer untereinander agieren; man erlebt diese Filme mit Freunden, Familie, auch mit Fremden im selben Kinosaal, und alle gehen durch die gleiche Emotion. Das ist einmalig".

Der Blockbuster als Zugpferd ist jetzt das wichtigste Mittel, um dem Kino ein breites Überleben zu sichern. Immerhin sind die Umsätze in den USA wegen Corona um 81 Prozent eingebrochen. Im Jahr 2021 steht man derzeit noch bei mageren 881 Millionen Dollar Einspiel. Aber wer, wenn nicht Stars wie Vin Diesel oder Scarlett Johansson und Giganten wie Disney, Marvel und DC könnten das Ruder ordentlich herumreißen?