Eigentlich ist Giovanni Zarrella eine Frohnatur, die in den (Schlager-)Charts mit großem Erfolg unterwegs ist. Sein neues Album "Ciao" schaffte es in Deutschland und Österreich schlagartig auf Platz eins der Charts, seine charmanten Songs bezaubern mit italienischer Leichtigkeit, und seine Vergangenheit bei der Boyband "Brosis" sorgt für satte Erfahrung im Showgeschäft. Jetzt aber ein Synchronjob bei einem Disney-Film? In "Luca" (zu sehen auf Disney+) spricht Zarrella den Schurken Ercole mit echtem italienischen Akzent ein, was den Bösewicht gleich um etliches sympathischer erscheinen lässt. Zu hören als seine rechte Hand: Bruder Stefano. "Ich hatte bereits mit dem Synchronregisseur gearbeitet, er kannte mich schon, und er hatte mich angesprochen darauf, vor allem wegen meines Konnexes zu Italien. Dann kam schnell die Idee auf, dass mein Bruder Stefano auch eine Rolle übernehmen sollte. Wir beide fanden das toll, denn wir wollen immer Dinge machen, die bleiben, wenn wir einmal nicht mehr hier sein sollten. Wir wollen etwas hinterlassen, und das ist toll", so Zarrella im Zoom-Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Mit der Vespa in die Freiheit

Dreh- und Angelpunkt in "Luca" ist der gleichnamige 13-jährige Bub, der eigentlich als blauschuppiges Seemonster unter Wasser lebt, an der Oberfläche aber zum ganz normalen Menschenkind wird. Die Vespa, die Ercole im Film fährt, beeindruckt den Buben nachhaltig. Und so beschließt er, sich ein solches Gefährt nachzubauen - mit mäßigem Erfolg.

"Spätestens als meine Figur Ercole mit seinem roten Traumroller um die Ecke kommt, habe ich mich auch wieder an meinen Jugendtraum erinnert, so etwas fahren zu wollen", sagt Zarrella. "Doch es hat irgendwie nie geklappt: Man hat den Führerschein gemacht, die Strecken waren dann doch zu lange, das Geld reichte nicht, einen Roller dazu zu kaufen, dann ging Brosis los, ich war viel unterwegs, und dann kamen schon die Kinder. Gerade jetzt habe ich aber das Gefühl, dass die richtige Zeit für so ein Teil ist. Stefano hat mir das Gleiche erzählt, und wir suchen bereits ein entsprechendes Gefährt. Denn es gibt dir ein ungeheures Freiheitsgefühl".

Neben der Freiheit propagiert "Luca" auch die Lebenslust Italiens, zu der Zarrella einiges einfällt: "Ich glaube, dass die italienische Sprache eine unglaubliche Leichtigkeit hat, und sehr melodisch ist", sagt er. "Es verführt einen mit Charme, wenn man ins Restaurant kommt, und der Chef ruft: ‚Ciao bella!‘ Allein schon dieser Satz öffnet Türen und Herzen. Der Italiener spricht auch mit dem ganzen Körper, es sind Gestik und Mimik, die diese Sprache ausmachen". Zarrella macht das Italienische auch für seine Chartserfolge verantwortlich, gerade bei Deutschen und Österreichern, die eine besondere Verbindung zu Italien hätten, weil es seit Jahrzehnten ein beliebtes Urlaubsland ist: "Ich glaube, das Geheimnis des Erfolgs meiner letzten beiden Alben ist es nicht, Songs zu kopieren, oder eins zu eins zu übersetzen, sondern tatsächlich den Songs einen anderen Anstrich zu geben durch die italienische Sprache. Italienisch ist die Sprache meines Herzens, aber man sagt auch: Sie ist die Sprache der Liebe, weil sie so melodisch ist. Man muss dabei auch nicht jedes Wort verstehen. Manchmal kann man einfach nur die Speisekarte singen, das macht auch schon selig."