Der Mann hält einen Rekord, den niemand anstrebt: Mohamedou Ould Slahi ist laut interner Statistik der meistgefolterte Häftling von Guantanamo. Er war es auch, durch den der legere Umgang mit Menschenrechten im US-Gefangenenlager an die Öffentlichkeit gekommen ist, mit seinem Buch "Das Guantanamo-Tagebuch". Ohne die Hilfe der für die Verfassungsrechte kämpfenden Anwältin Nancy Hollander wäre es dazu nie gekommen. Die Geschichte des Mauretaniers, der 14 Jahre ohne Anklage in Guantanamo inhaftiert war, weil er für einen Rekrutierer und Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 gehalten wurde, des ersten unschuldig Inhaftierten, der die USA erfolgreich geklagt hatte, hat nun, inszeniert von Kevin Macdonald, ihren Weg ins Kino gefunden.

Hollander wird hier von Jodie Foster gespielt, sie übernimmt den Fall Slahis, weil gegen ihn in drei Jahren Gefangenschaft weder Anklage erhoben wurde noch Beweise vorgelegt wurden. Sie besucht ihn in Guantanamo, wo er ihr schnell klarmacht, dass die Anwalt-Klienten-Kommunikation hier nicht so funktioniert, wie sie das zuhause gewöhnt ist. Slahi hat viel zu viel Angst, offen zu sprechen. Also fordern Hollander und ihre Assistentin Teri (Shailene Woodley) ihn auf, seine Zeugenaussage niederzuschreiben. Auf der anderen Seite steht Stuart Couch (Benedict Cumberbatch), angetreten als Ankläger gegen jenen Mann, der - wie es scheint - schuld ist am Tod seines engen Freundes, der einer der Piloten der entführten Flugzeuge von 9/11 war. Beide Seiten stehen bald vor demselben Problem: zensurierte Berichte und bis zur Lächerlichkeit geschwärzte Akten. Dynamik kommt in die Geschichte, als Teri in den tausenden Zetteln ein Geständnis findet. Vor ein Ultimatum Hollanders gestellt, bringt Slahi, erst unwillig, doch zu Papier, wie es zu dieser Aussage kam. Die ganze Latte der ausgeklügelten modernen Folter - von der Guantanamo-Signature-Qual Waterboarding über Kälte, Stressposition, extrem laute Heavy-Metal-Musik, Prügel, sexuellen Missbrauch durch Menschen mit Gruselkatzenmasken, Schlafentzug - erträgt Slahi, es bricht ihn erst die emotionale Folter, als ihm angedroht wird, dass seine Mutter in das Gefängnis geholt werde und hier unweigerlich vergewaltigt werde.

Ein Souvenir vom Lager

Es sind Bilder, die einen zweifellos auch aus dem Kino hinaus verfolgen. Dabei gibt es auch weniger plakative Ausformungen des Irrsinns: Wenn sich etwa Hollander und Couch im Touristenshop (!) von Guantanamo (!!) treffen, wo es T-Shirts mit Aufdruck "Don’t feed the Taliban" zu kaufen gibt. Der Folterkeller als Freizeitparadies.

Der Film lässt lange offen, ob Slahi nicht doch derjenige ist, für den ihn die Ermittler halten. Er war in Deutschland, wo die Attentate ersonnen wurden, er war bei der Al-Kaida (im Kampf gegen die Sowjets) und sein Cousin hat ihn einmal vom Telefon von Bin Laden angerufen. Und selbst Hollander sagt: "Niemand bekommt einfach so einen Anruf von Bin Ladens Telefon."

Jodie Foster gibt die Anwältin abgebrüht und mit trockenen Sprüchen. Benedict Cumberbatch ist ein leider gar schablonenhafter Offizier, der als Christ nicht mit sich vereinbaren kann, Folter zu unterstützen. Es ist vor allem Tahar Ramin in der Titelrolle, der diesem Film Spannung verleiht. Er spielt die Verschmitztheit, die sich Slahi bewahrt, genauso berührend wie die Verzweiflung im Auge der Gewalt. Der Abspann zeigt den realen Slahi und man merkt, dass Ramin dessen Unerschütterlichkeit gut getroffen hat. Am Beginn des Films versucht er, seine Mutter zu beruhigen, dass die CIA ihn ja nicht mit dem eigenen Auto zum Verhör fahren ließe, wenn er nicht mehr zurückkommen würde. 15 Jahre saß er in Guantanamo ein - seine Mutter starb, bevor er freigelassen wurde.