Man nehme eine Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen, vermenge sie mit einem übellaunigen Stiefvater, würze das Ganze mit Tellerwäschererfahrung in Frankreichs Haute Cuisine, runde es mit einer Prise Glück und viel Handarbeit ab und garniere es mit ein wenig Rabenvatertum; fertig serviert heißt dieses Gericht: der amerikanische Traum. Wolfgang Puck hat es erfunden. Aber so einfach nachzukochen ist es nicht.

Für Puck, der aus St. Veit an der Glan stammt und in der Kindheit unter den Repressionen des Stiefvaters litt, stammt die Motivation zur Weltkarriere aus eben jener Zeit. "Aus dir wird nie etwas werden", sagte der Stiefvater immer. "Es war mein Ansporn, dass doch etwas aus mir wird", erzählt Wolfgang Puck in "Wolfgang", David Gelbs Doku über ihn, die jetzt auf Disney+ zu sehen ist. Und weil Puck schon als Kind nichts lieber tat, als der Großmutter beim Rausbacken der Sonntagsschnitzel zu helfen, war ihm früh klar, in welchem Metier er es schaffen wollte.

Die Lehrjahre in Paris brachten ihn schließlich nach Los Angeles, wo er den Amerikanern beibrachte, was gutes Essen ist. Denn die servierten in den 1970ern selbst in der gehobenen Gastronomie gerne geschmackloses Tiefkühlfleisch mit noch geschmackloserem Tiefkühlgemüse. Also stellte sich Puck in die Küche des "Ma Maison" und machte daraus den besten In-Schuppen der Stadt.

Ein Koch als Medienstar

Die Hochglanz-Doku zeichnet die Stationen des heute 71-jährigen Starkochs nach und erklärt, wie aus dem Chef auch ein Medienstar wurde, nachdem er seinen eigenen Laden, das "Spago", eröffnet hatte. Ganz Hollywood dinierte dort, man rannte ihm die Türen ein (seine alljährlichen, legendären Oscar-Diners spart die Doku seltsamerweise aus). Man erfährt, wie Puck mit seiner ersten Frau Barbara schrittweise auch an einem Imperium arbeitete, das heute 70 Restaurants mit mehr als 5.000 Mitarbeitern umfasst. Vom Tellerwäscher zum Millionär, wörtlicher kann man den amerikanischen Traum nicht erleben.

Aber Puck, das zeigt die Doku, ist stets bescheiden geblieben, schon allein aus Respekt vor den Vorhaben, die ihn umtrieben. "Die Angst zu scheitern, alles auf einen Schlag zu verlieren, die hatte er immer und hat er bis heute", sagt die nunmehrige Ex-Frau Barbara über ihn. Puck, der sich so sehr in seiner Arbeit verlor, bedauert auch, seine Pflichten als Familienvater kaum wahrgenommen zu haben. "Ich habe die Kindheit meiner Kinder verpasst", sagt er einmal. "Ich war lieber in der Küche. Meine Restaurants, das sind auch irgendwie meine Kinder."

"Wolfgang" ist entschieden als Heldendoku in klassischer Hollywood-Manier angelegt und zeigt das Subjekt im bestmöglichen Licht. Es mangelt nicht an Anekdoten: Joan Collins ist zum Beispiel schuld, dass Puck seine legendäre Räucherlachspizza erfand; er brauchte für die Schauspielerin einen Snack, weil kein Gebäck oder Baguette mehr im Haus war. Oder: Die Sitzordnung im "Spago" wurde stets danach eingeteilt, wer gerade wichtiger war in Hollywood: Die B-Promis saßen weiter hinten, die A-Riege in der Auslage. Hinter das Geheimnis des Erfolgs lässt sich Puck aber nicht blicken. In "Wolfgang" redet er viel, sagt aber wenig. Die Kunst des Kochens wird wie Magie zelebriert. Floskeln wie "Folge deinen Träumen" verraten nichts über sein Geheimrezept. Aber Zauberer verraten ihre Tricks ja auch nicht.