Radu Jude liebt seine Heimat, soviel ist sicher. Nur jemand, der sein Land so dermaßen kritisch hinterfragt, ist in der Lage, es wirklich zu lieben. Mit "Bad Luck Banging or Loony Porn" gewann Jude heuer den Goldenen Bären der Berlinale, und das mit Recht: Es ist eine freche, ungestüme Arbeit, die die Befindlichkeit Rumäniens einfängt und ungewöhnliche, verstörende Bilder findet für die Geschichte des Landes seit dem Ende der kommunistischen Diktatur von Ceausescu.

Ein privat gefilmter Porno einer Lehrerin, der nichts ausspart, landet im Internet. Die Lehrerin wird erkannt und muss sich rechtfertigen vor den Eltern und der Schule. Ein Setting, das Radu Jude dazu dient, eine groß gefasste Abrechnung mit seiner Heimat auszurollen, die auch filmische Konventionen sprengt und weit über das Dramatische eines Spielfilms hinausragt. Es geht hier um die zusehends roher und rüpelhafter werdende rumänische Gesellschaft, die mit dem Kapitalismus nie umzugehen gelernt hat. Das führt zu Egoismus im großen Stil: Jeder hier ist sich selbst der Nächste.

Jude entwickelt ein Triptychon über die moralische Verwerflichkeit, die Doppelbödigkeit und die Verrohung der rumänischen Gesellschaft, die stellvertretend für alle Gesellschaften stehen könnte. Während die Lehrerin versucht, die Verbreitung des Videos zu verhindern, dekliniert Jude im Mittelteil in kurzen Spots die rumänische Gegenwartskultur durch, immer plakativ, immer radikal. Eine Wucht von einem Film.

Bad Luck Banging or Loony Porn
Rumänien 2021

Regie: Radu Jude.
Mit Katia Pascariu, Claudia Ieremia.