Es ist die Geschichte eines Paragrafen, der Homosexualität unter Strafe stellte. Wer nach §175 verurteilt wurde, der musste mit bis zu zehn Jahren Zuchthaus rechnen, und Sebastian Meise hat mit "Große Freiheit" darüber einen Film gedreht. Mit viel Feingefühl für die Betroffenen und mit zwei hervorragenden Hauptdarstellern: Georg Friedrich und Franz Rogowski.

Wer öffentlich der gleichgeschlechtlichen Unzucht frönte, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aber selbst bis in die 1970er Jahre hart bestraft. "Das Gesetz selbst ist erst 1994 de facto abgeschafft worden", sagt Regisseur Meise, der mit seiner Produktionsfirma Freibeuterfilm den Stoff fürs Kino umgesetzt hat und nun in Cannes in die Reihe "Un certain regard" eingeladen wurde. "Die Premiere war sehr beeindruckend", erzählt Meise im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" in Cannes. "Für mich ist es das allererste Festival dieser Größenordnung", erzählt der 1976 in Kitzbühel geborene Filmemacher, für den "Große Freiheit" der zweite Langfilm nach dem Pädophiliedrama "Stillleben" (2011) ist. In Cannes wurde der Film bei der Uraufführung vom Publikum umjubelt. 

Regisseur Sebastian Meise ist mit "Große Freiheit" das erste Mal in Cannes. 
- © Katharina Sartena

Regisseur Sebastian Meise ist mit "Große Freiheit" das erste Mal in Cannes.

- © Katharina Sartena

Hans Hoffmann (Rogowski) landet gleich nach dem KZ der Nazis, wo er wegen Homosexualität inhaftiert war, direkt weiter im Gefängnis, seine Befreiung ist keine. Im Knast freundet er sich mit seinem Zellennachbarn Viktor (Friedrich) an, beide gehen durch emotionale Wirren und werden einander hier noch öfter treffen, weil Hoffmann wieder und wieder verhaftet wird.

Meise filmt dieses stille, einfache Drama mit großer Eleganz und Schlichtheit, stilsicher und authentisch. Das hat vor allem mit dem Schauspielergespann Rogowski und Friedrich zu tun. "Wir sind zwei sehr unterschiedlich arbeitende Schauspieler, aber die Chemie hat wirklich gestimmt zwischen uns", sagt Rogowski. "Ein solcher Film steht und fällt mit den Hauptdarstellern", findet Sebastian Meise. "Ich bin wirklich glücklich über diese gelungene Konstellation".