In "Stillwater", in Cannes außer Konkurrenz zu sehen gewesen, spielt Matt Damon den Amerikaner Bill Baker, der versucht, seiner in Marseille inhaftierten Tochter zu helfen. Damon, 50, aber durchaus zehn Jahre jünger wirkend, ist ein einfacher, schroffer Ami, der seine Tochter aus dem Gefängnis befreien will, die hier wegen Mordes einsitzt, von dem sie behauptet, ihn nicht begangen zu haben. In Marseille trifft Bill Virginie (Camille Cottin), die versucht, ihm zu helfen, weil er weder die Stadt kennt, noch der französischen Sprache mächtig ist. Außerdem ist er das, was man im Allgemeinen den typischen Amerikaner nennt: Baseball-Kappe, kariertes Holzfällerhemd und schlecht geschnittene Jeans. So fällt man im französischen Süden garantiert auf.

"Bill kommt aus dem Herzen des Trump-Landes, er ist ein Teil dieser Kultur", so Matt Damon in Cannes. "Es sieht so aus, als ob es das Standard-Hollywood-Setup ist: Ein Vater, der seine Tochter entlastet und alles tut, um ihr zu helfen. Aber es ist in Wahrheit eine Umkehrung dessen, weil der Typ keine Fähigkeiten hat. Er versteht die Sprache nicht, er versteht die Kultur nicht. Er versteht nicht wirklich, wo er ist." Aus dieser Konstellation ergibt sich ein recht launiges Filmerlebnis.

Regisseur Tom McCarthy drehte "Stillwater" überwiegend an Originalschauplätzen. 
- © Katharina Sartena

Regisseur Tom McCarthy drehte "Stillwater" überwiegend an Originalschauplätzen.

- © Katharina Sartena

Regisseur Tom McCarthy wollte die Dreharbeiten in Marseille so authentisch wie möglich gestalten. "In vielerlei Hinsicht ist es strukturell mein kompliziertester Film", so McCarthy, dessen Film "Spotlight" 2016 den Oscar für den besten Film gewann. "Stillwater" wurde fast ausschließlich an Originalschauplätzen gedreht und enthält eine Schlüsselszene, die im Stade Velodrome, dem Heimstadion von Olympique Marseille, während eines echten Spiels gedreht wurde. "Ein Team mit unglaublichem Herz und unglaublichen Fans. Die Energie in diesem Stadion und die Dreharbeiten dort waren ein besonderes Erlebnis", so McCarthy.

Dass Matt Damon in "Stillwater" den Mitarbeiter einer großen Öl-Firma spielt und als solcher auch der Trump-Wählerschaft nahesteht, war dem Schauspieler bewusst. 

"Diese Burschen entschuldigen sich nicht dafür, wer sie sind", so Damon. Der Schauspieler und McCarthy reisten vor den Dreharbeiten durch Oklahoma, wo sie in die Pausenräume und Hinterhof-Barbecues der Männer eingeladen wurden, die die Figur inspirierten. Recherche vor Ort, sozusagen. "Sie sind im Ölgeschäft, natürlich haben sie Trump gewählt", so Damon über Bill. "Die Recherche dort war wichtig. Wir haben die kleinsten Details beobachtet, etwa das Tragen einer bestimmten Art von Blue Jeans, die mit Feuerschutzmitteln behandelt wurde, und so die Art und Weise, wie diese Burschen gehen, verändert. Sie alle haben einen Spitzbart und die Sonnenbrille. Sie sind keine Sixpack-Typen, aber sie sind stark. Sie gehen zu ihren Grillabenden und sie fangen an, mit der Gitarre Kirchenlieder zu singen."

Es ist ein Amerika der Trump-Ära, das "Stillwater" abbildet, und auch die Art und Weise, wie man Amerika in Europa sieht, ist ein wichtiger Teil der Dramaturgie. Man wünscht sich mehr Filme, die diese Zeit aufarbeiten.