31 Jahre hat es gedauert, bis Erhard Dietls Kultfiguren ihren eigenen Film bekommen haben. Und "Die Olchis - Willkommen in Schmuddelfing" wird den Büchern durchaus gerecht. Auch wenn natürlich - dem Zeitgeist aktueller Kinderfilme geschuldet - vieles stark überzeichnet ist. Schon der Vorspann, in dem die Olchis mit ihrem Drachen Feuerstuhl auf ihrem Müllplatz (bruch)landen, gibt die Richtung vor, in die der restliche Film geht: wild und turbulent. So schlimm hat es Dietl in seinen Büchern nie getrieben.

Der Plot des Films fasst aber ganz gut die Grundgeschichte der Olchis zusammen: Schmuddelfing hat ein großes Problem, ein sehr großes Problem: den Müllberg (den die Animatoren architektonisch beeindruckend angelegt haben). Zwei Parteien verfolgen unterschiedliche Ansätze, um dieses Problem zu lösen: Die Frau des Bürgermeisters räumt ihren Mann mittels Kurzurlaub aus dem Weg, um den Müllberg abtragen zu lassen und stattdessen an selber Stelle einen Wellness-Tempel zu errichten. Denn aus dem Schandfleck Schmuddelfing soll ein Touristenmagnet werden. Wobei der involvierte Bauunternehmer ein doppeltes Spiel betreibt.

Der genial-chaotische Erfinder Professor Brausewein hingegen verfolgt einen konträren Ansatz: Er will mit einer selbstentwickelten Maschine die Stinkluft wegsaugen. Quasi zwischen den Fronten steht Max, der Sohn des Bürgermeisters, ein quirliges kleines Technikgenie, gefangen im eng getakteten Freizeitplan seiner Mutter und befreundet mit Brauseweins Nichte Lotta. Für Max steht fest: Er muss die Olchis vor der Obdachlosigkeit retten. Und weil die Chaos liebenden Olchis - wie jedes Kind, das den Film sehen wird, ja längst aus den inzwischen 29 Büchern weiß - am liebsten Müll essen, liegt die Lösung für ihn und Lotta auf der Hand. Dass das Ganze ein gutes Ende nehmen wird, davon ist man ab der ersten Filmminute überzeugt. Nur den Weg dorthin würde man am Anfang nie erraten.

Der Film zeigt liebevoll gestaltete Figuren in einer bei allem Schmutz bloß etwas steril wirkenden Computeranimation: Die Olchis sind der Idealtyp einer harmonischen Drei-Generationen-Familie. Vier Kinder (zwei Menschen und zwei Olchis) werden gemeinsam zu Helden. Eine enttäuschte Ehefrau glaubt, die Probleme ihres Mannes besser lösen zu können - und gerät dabei in die Fänge eines fiesen Bauunternehmers, der die Stadt finanziell ausbluten will (man beachte sein Firmenlogo auf den Lkw, die seinem Luxussportwagen hinterherfahren). Professor Brausewein will mit grüner Energie (im doppelten Wortsinn) eine für alle Beteiligten tragbare Lösung finden und destilliert dazu Olchi-Essenz - daraus wird sich noch ein wesentlicher Treiber des Films entwickeln.

Dazu gibt es viel Situationskomik (etwa wenn die gesichtslosen Bauarbeiter zwecks Abschreckung die Olchi-Höhle verwüsten, was natürlich den gegenteiligen Effekt hat) und auch Gags für Große, denen der Film auch immer wieder den Spiegel vorhält. Überhaupt stecken viele Botschaften für Jung und Alt darin, von Integration bis Umweltgedanke, freilich verpackt in eine echt krötige Handlung, die von Anfang bis Ende Spaß macht. Muffelfurzteufel!