Schmutzige, verwaschene Farben. Dazu bedrohlich wabernde Klänge aus den Lautsprechern: Regisseur Guy Ritchie deutet in "Cash Truck" schon mit den ersten Einstellungen an, dass es in diesem Action-Thriller sehr ernsthaft und hart zur Sache gehen wird.

Der Film beginnt in einem schwer gepanzerten Geldtransporter, einem "Cash Truck" also, und man schaut den Fahrern bei einer Fuhre durch Los Angeles über die Schulter. Es vergehen nur wenige Sekunden, dann werden die beiden von maskierten Männern attackiert. Schüsse fallen. Die Besatzung des Transporters ist tot. Und es gibt noch eine weitere Leiche.

Schnitt. Kurze Zeit später wird in der Transporterfirma ein neuer Fahrer namens H (Jason Statham) angestellt. Bald kursiert dort der Spruch, H sei eine Abkürzung für Held. Bei einem neuen Überfall rettet H seinen Kompagnon, indem er sechs Gangster eigenhändig ins Jenseits befördert.

Sechs Tote? An dieser Stelle muss man wieder einmal akzeptieren, dass im Action-Thriller andere Regeln gelten als im Strafgesetzbuch. Denn dem Todesschützen werden von den Cops nicht etwa Handschellen angelegt, sondern nur ein paar stirnrunzelnde Fragen gestellt. H fährt weiter. Und man ahnt: Dieser Mann hat eine Mission.

Guy Ritchie kehrt zu seinen Wurzeln zurück

Das gilt auch für Guy Ritchie, den Regisseur. Der britische Filmemacher und Ex-Gemahl von Madonna ist ja mit schwarzhumorigen Gangsterfilmen wie "Bube, Dame, König, grAs" oder "Snatch - Schweine und Diamanten" berühmt geworden. Seither hat er mit den "Sherlock Holmes"-Kinofilmen oder dem märchenhaften "Aladdin" bewiesen, dass er auch im Blockbuster-Kino reüssieren kann.

Mit "Cash Truck" (dem Remake eines Kinohits aus Frankreich) kehrt Ritchie nun zu seinen Wurzeln zurück, wenngleich es in diesem finsteren Actioner wenig zu lachen gibt. Doch der Regisseur fesselt das Publikum nach allen Regeln des Gangsterfilms bis zur letzten Sekunde.

Die Raffinesse von "Cash Truck" beginnt beim Drehbuch (für das Guy Ritchie als Co-Autor zeichnet). Die erste Überfall-Szene, erfährt man bald, steht im Mittelpunkt, jedoch nicht am Anfang des Geschehens. Mit klug gesetzten Vor- und Rückblenden wird ein Szenario entwickelt, das einen langsam ahnen lässt, um was es hier wirklich geht.

Auch die Hauptfigur H weckt große Neugier. Action-Superstar Jason Statham legt den Geldtransporteur in seinem vierten Guy-Ritchie-Film als stillen Mann der Tat an, der gerne schweigt, doch hart zuschlägt. Und er birgt offenkundig gleich mehrere große Geheimnisse, die das Publikum bis zum Finale rätseln lassen: Ist dieser H, aus welchen Gründen immer, auf Rache aus? Ist er selbst ein Krimineller; ein Gangsterboss gar - oder agiert er undercover im Auftrag der Behörden?

Solche Raue-Schale-rauer-Kern-
Charaktere kennt man von Statham zur Genüge. Hier schenkt er dem Mr. H mit einer mysteriösen Ausstrahlung, veredelt um eine Prise Charme, eine besonders schillernde Aura. Wichtige Nebendarsteller wie Eddie Marsan (als besorgter Bürokrat) oder Scott Eastwood (als irrlichternder Gangster-Schönling) werten das Geschehen auf.

Im Showdown wird zwar, wie es sich für das Action-Genre gehört, fantasielos herumgeballert, doch das kann den guten Gesamteindruck kaum schmälern. Guy Ritchie ist mit "Cash Truck" ein spannungsgeladener Thriller gelungen, der auch dank der ultracoolen Bildsprache (Kamera: Alan Stewart; Schnitt: James Herbert) wie aus einem Guss wirkt.