Wer seinen liebsten Disney-Film einmal in echt erleben wollte, hatte in den Vergnügungsparks des Filmstudios stets die Chance dazu. Disneyland, und seine zahlreichen internationalen Ableger, boten dazu Attraktionen und Rides wie die verrückte Teeparty aus "Alice im Wunderland" oder das Dumbo-Karussell. 

Die Idee, diese Kausalität auch einmal umzukehren, ist dagegen noch recht neu. "Jungle Cruise" (jetzt im Kino) ist die siebte Disney-Parkattraktion, die ihren eigenen Film bekommt. Doch bisher hatte dieses Konzept fast immer in Flops geendet. Die einzige Ausnahme: "Fluch der Karibik".

Die Idee, die eigenen Parkattraktionen zu verwerten, kam vom damaligen Disney-Studiochef Dick Cook. "Es schien so selbstverständlich, wir wären verrückt es nicht zu probieren," erklärte er 2002 der Presse. "Das sind Disney-Ikonen. Die drängen sich geradezu als Filme auf." Die Testfahrt des Konzepts entstand 1997 mit der TV-Produktion "Im Jenseits sind noch Zimmer frei", basierend auf "The Twilight Zone Tower of Terror". Steve Guttenberg und Kirsten Dunst untersuchten das mysteriöse Verschwinden von fünf Gästen aus einem Hotel.

Ins Kino flog dann 2000 "Mission to Mars". Brian de Palma schickte Tim Robbins und Don Cheadle zu den Klängen von Ennio Morricone ins Weltall. Dass die Attraktion seit Anfang der 1990er bereits nicht mehr existierte, mag vielleicht einer der Gründe für den Misserfolg gewesen sein. Aufgeben wollte Disney deswegen noch nicht. 2002 erschien das auf dem "Country Bears Jamboree" beruhende "The Country Bears". Die Bären mussten dabei durch ihren Auftritt als Country Rock Band ein Gebäude vor dem Abriss retten. Der Film war ein Flop, die Cameo-Liste mit Elton John oder Willie Nelson kann sich jedoch sehen lassen.

Spukhaus und Piratenschiff

Ein Jahr später kam die auf "The Haunted Mansion" beruhende "Die Geistervilla" mit Eddie Murphy in die Kinos. Für Murphy, der Anfang der 2000er bereits in einem Karrieretief hing, hätte es ein Comeback werden können. Funktionierte nicht. 2015 entdeckten George Clooney und Britt Robertson in "A World Beyond", beruhend auf dem Park-Themenbereich "Tomorrowland", eine futuristische Welt, die von wissenschaftlichen Größen wie Nikola Tesla und Jules Verne gegründet wurde. Wieder ein Flop.

Dass die "Fluch der Karibik" Reihe mit 4,52 Milliarden Dollar Einspielergebnis eines der erfolgreichsten Franchises der Welt wurde, mag vielleicht mit Glück zusammenhängen. Disney hatte sich ursprünglich ein kostengünstiges Piratenabenteuer der alten Schule mit Johnny Depp als Errol-
Flynn-Verschnitt gewünscht. Doch weder Depp noch Regisseur Gore Verbinski wollten einen konventionellen Disney-Film machen. Die Folge waren ständige Streits ums Budget und das Recht Depps, seinen Captain Jack Sparrow wie einen zugedröhnten Keith Richards anzulegen. Der Überraschungserfolg des ersten Films zementierte dieses Konzept schließlich für die weiteren vier Sequels.

Dass Disney sich für den jüngsten Versuch einer Adaption Dwayne Johnson ins Boot holen würde, ist ein geschickter Schachzug. Johnson ist einer der erfolgreichsten Actionfilm-Darsteller der Gegenwart, fast jedes Skript, das er angreift, wird ein Kassenschlager. Der Film spielt auch geschickt auf die nostalgischen Elemente der "Jungle Cruise" Attraktion an, wie die vielen typischen Flachwitze der Skipper, denen Johnson Tribut zollt.

Dass Disney wieder die Vorliebe für bunte und optimistische Filme entdeckt hat, ist zu begrüßen. Doch dem Film fällt es schwer, seine eigene Identität zu entwickeln. "Jungle Cruise" ist kein neuer "Fluch der Karibik".

Gibt es Hoffnung für das Konzept? Vielleicht in Form von Disneys goldenem Jungen Jon Favreau, Schöpfer von "Iron Man" oder "The Mandalorian". Seit elf Jahren schraubt dieser an "Magic Kingdom", eine Art "Nacht im Museum" für den Disney-Park. Doch bis es so weit ist, ist man besser mit einem Ticket für das echte Disneyland als Disneys Attraktionen-Filmen bedient.