Laetitia Casta ist eigentlich Model gewesen, bevor man sie für die Leinwand entdeckte. Es gibt Bilder von ihr, in denen sie Yves Saint-Laurent umarmt, oder mit Heidi Klum und Tyra Banks in Cannes posiert. Und sie spricht heute, mit 43, gerne darüber, dass das Modeln eine Art ist, den Raum zu erfüllen, wenn man ihn betritt. "Mode, das ist wie ein Stummfilm", sagt Casta in Locarno, wo man ihr einen "Excellence Award" überreicht hat. Den bekommen Menschen, die sich ums Kino verdient gemacht haben, und Casta zählt laut Neo-Festivalchef Giona A. Nazzaro dazu. Bisher sponserte ein Champagner-Hersteller den Award, jetzt ist es Campari. 

Hauptsache, das Ganze hat einen Anstrich von Glamour. Das ist es nämlich, was der Excellence Award seit Jahren hier in Locarno verbreiten soll: Den Anschein von Sinnlichkeit, von Erhabenheit, von Stars, von Rampenlicht und Glamour. Das sind dem Kino nicht unverwandte Dinge. Casta passt da gut hinein. Die vierfache Mutter, einst mit 15 am Strand in Korsika als Model entdeckt, hat eine beeindruckende Karriere hingelegt: Ihr Lächeln verzauberte die Designer dieser Welt, die Fotografen sowieso, denn es war diese Naivität, die man in der Modewelt damals, in den 90ern,  gern darstellte. In "Asterix und Obelix gegen Caesar" (1999) war sie erstmals als Schauspielerin zugange, das ganze mit "einem völlig naiven Blick" auf die Schauspielerei, wie Casta gesteht. Dazu passt auch, dass man ihr zu Ehren in Locarno den Film "Gainsbourg (vie héroïque)" zeigte, in dem Casta als Brigitte Bardot auftritt. Die soll damals zu ihr gesagt haben: "Ich habe mich gegenüber den Männern und dem Leben immer aufgeführt, als wäre ich ein kleines Mädchen in einer Bäckerei - ich habe mich einfach bedient". 

Festivalleiter Giona A. Nazzaro überreicht Casta ihren "Excellence Award" 
- © Katharina Sartena

Festivalleiter Giona A. Nazzaro überreicht Casta ihren "Excellence Award"

- © Katharina Sartena

Laetitia Casta ist, das hat ihr Auftritt in Locarno eindrucksvoll gezeigt, so etwas wie eine Erscheinung. Daran hat die Zeit nichts geändert, die Aura dieser Schauspielerin erhellt nach wie vor die Räume, auch, wenn es draußen regnete, als sie ihren Award überreicht bekam. Was als sicher gilt in diesen unsicheren Zeiten, ist also die Attitüde, mit der man dem Leben begegnet: Manchmal braucht es keinen doppelten Sinn und keine Metaebene. Manchmal reicht es auch, die Schönheit zu feiern.