Ein Drehbuch-Oscar und Lobeshymnen aus aller Welt: "Promising Young Woman" - Drama, schwarze Komödie und Thriller zugleich - ist einer der besten Filme der Saison. Carey Mulligan brilliert in der Rolle einer Frau, die nach einem einschneidenden Erlebnis (Stichwort: #MeToo) zu einem Rachefeldzug gegen die Männer aufbricht. Autorin und Regisseurin Emerald Fennell inszeniert den Film mit feinem Gespür für rabiate Pointen und geheimnisvolle Momente.

"Promising Young Woman" beginnt bei einem Clubbing. Man begegnet der Hauptfigur Cassie (Carey Mulligan): offenkundig ist sie sturzbetrunken. Ein junger Mann schleppt sie ab. Doch kaum landen die beiden im Bett, stellt sich heraus, dass der Rausch nur gespielt war. Cassie wird auf einmal sehr nüchtern. Und sehr ernst. Und bedrohlich. So bedrohlich, dass ihr Galan nur noch einen einzigen Wunsch hat: Mit heiler Haut zu entkommen.

Später erlebt man Cassie immer wieder bei solchen Aktionen. Doch was treibt sie an? Weitere Fragen tun sich auf: Warum hat diese "Promising Young Woman" ihr Medizinstudium geschmissen? Warum lebt sie noch bei ihren Eltern? Warum scheut sie jede Form von Nähe?

Die Antworten gibt der Film in kleinen Happen, die den Spannungspegel stetig steigen lassen. Manche Szenen sind brüllend komisch, andere geradezu unheimlich. Regisseurin Emerald Fennell erweist sich handwerklich als Riesentalent. Und sie verliert nie ihr Leitthema aus den Augen: "Promising Young Woman" ist eine Attacke gegen jene Männer, die Sex mit sexueller Nötigung oder gar Gewalt anstreben. Das ergibt kein schönes Männerbild. Aber einen herausragenden Film.