Eins vorweg: Wer ein Problem mit Obszönitäten und versifften Wohnungen hat, sollte von diesem Film lieber Abstand nehmen. Diverse Beschimpfungen kommen ebenso vor wie Kraftausdrücke aller Art - und das Ganze auf "gut Wienerisch".

Stefanie Sargnagel, Autorin, Kabarettistin und Cartoonistin, spielt in dieser Mockumentary gewissermaßen eine Version von sich selbst. Der Aufbau ist doch etwas kompliziert: Im Film werden die Texte von Sargnagels Büchern "Fitness" und "Statusmeldungen" verfilmt, aber es ist auch gleichzeitig ein Film über einen Film, der über Sargnagel gedreht werden soll. Zu diesem Zweck wird zu Beginn nach einer Schauspielerin für die Rolle der Sargnagel gesucht. Hilde Dalik (als Hilde Dalik) ist überzeugt, die perfekte Besetzung für die Rolle zu sein. Ihr Lebensgefährte Michael Ostrowski (als Michael Ostrowski) wird kurzerhand zum Regisseur des Films erkoren, was für einigen Zündstoff sorgt. Filmproduzent Thomas Gratzer (als Thomas Gratzer, im wahren Leben Direktor des Rabenhof-Theaters) lässt die echte Sargnagel - zu deren anfänglichem Leidwesen - von einem Filmteam begleiten, das aus zwei namenlosen Praktikanten besteht. Die beiden folgen Sargnagel "für das Making-of" (eine Pseudo-Doku) auf Schritt und Tritt: in ihre leicht grindige Gemeindebauwohnung, in ihr ebenso heruntergekommenes Stammbeisl, zur feministischen Burschenschaft Hysteria, zu Familienfeiern und schließlich auch auf Lesereise. Letztere tritt die Sargnagel nur unter Protest an, denn "jede Lesereise verkürzt mein Leben um mindestens zehn Jahre".

Die linke Autorin macht es sich mit ihren anti-rechtsradikalen Postings und Lesungen nicht gerade leicht und ist im Laufe des Films mit einigen Shitstorms konfrontiert, Morddrohungen inklusive. Das passiert anscheinend, wenn man in Österreich Nazis als solche bezeichnet und ein bisschen zu ernüchternde Gesellschaftsanalysen abliefert. Zur Seite stehen der Sargnagel aber ihre beste Freundin (ebenfalls Hilde Dalik), deren Schwarm (Voodoo Jürgens), Sargnagels Freund (Alexander Jagsch) und ihr Manager (David Scheid). Auch Jan Böhmermann wird vom Praktikanten-Filmteam befragt und ist sich sicher, dass die Sargnagel lebensnotwendig für Österreich ist.

Überraschender Tiefgang

Zwischen Alkoholexzessen, einem fehlgeschlagenen Fitnessstudio-Versuch und dem Beginn einer Psychotherapie mit Unterstützung von Benzodiazepinen werden immer wieder Passagen aus Sargnagels Büchern vorgelesen und manche Szenen werden sozusagen im wahren Leben nachgespielt - Fans wird einiges aus den Büchern oder aus den Sozialen Medien bekannt vorkommen.

Zwischen den Zeilen und all den lässigen Sprüchen blitzt doch hin und wieder eine verletzliche Seite der Sargnagel durch: Manchmal wird ihr alles zu viel, und nur im Schreiben kann sie sich wirklich ausdrücken: "Man schreibt, wie man denkt, und man spricht so angestrengt und verlogen." Zwischendrin ist unklar, ob bei all dem Stress, Beziehungsproblemen, verkaterten Morgen und Geldsorgen am Ende wirklich das Buch entsteht, auf das der Manager und der Verlag so drängen.

"Sargnagel - Der Film" ist nicht ganz die durchgehend heitere Komödie, die man vielleicht erwartet. Dazu wird ein zu realistisches Bild der österreichischen Gesellschaft gezeichnet. Doch dafür hat der Film auch einige unerwartete berührende Momente, die einen nachdenklich schmunzelnd zurücklassen.