Episodenfilme haben manchmal das Problem, dass ihre einzelnen Geschichten nicht stringent oder nicht packend genug sind; das produziert Stückwerk, Geschichtensammlungen ohne roten Faden. Dies trifft auf "Doch das Böse gibt es nicht" des Iraners Mohammad Rasoulof nicht zu, denn seine Geschichten kreisen um einen Themenkomplex, der eine große moralisch motivierte Rezeption ermöglicht, einen Diskurs, der nötig scheint: Es geht in allen vier Episoden des Films nämlich um die Todesstrafe, und jede Geschichte ist anders, setzt sich auf ihre eigene Weise mit dem Thema auseinander und endet jeweils abrupt. Die Machart brachte die Jury bei der Berlinale 2020 dazu, "Doch das Böse gibt es nicht" mit dem Hauptpreis, dem Goldenen Bären zu belohnen. Nicht unverdient.

Heshmat (Ehsan Mirhosseini), eigentlich Vorzeige-Ehemann, hat eine Arbeit, die mit dem Töten zu tun hat; Pouya (Kaveh Ahangar) könnte nie im Leben töten, bekommt aber den Auftrag dazu. Javad (Mohammad Valizadegan) bereitet einen Heiratsantrag vor, aber es passieren Überraschungen. Und der nicht praktizierende Arzt Bahram (Mohammad Seddighimehr) muss seiner Nichte aus Deutschland offenbaren, wieso er keine Patienten haben darf.

All das filmt Rasoulof, dessen Filme im Iran verboten sind, in starken Bildern und emotional mitunter beklemmenden Momenten. Der Film ist zugleich Kritik und Hommage an sein Heimatland Iran.