Es gibt zur Zeit eine wahre Invasion von Filmen, in denen die Menschen gezwungen sind, die Erde zu verlassen, um sich in den Tiefen des Weltalls eine neue Bleibe zu suchen; eigentlich kein Wunder, ist der Klimawandel doch dafür verantwortlich, dass sich die Endzeitfantasien nicht nur in den Köpfen der Menschen festgesetzt haben, sondern auch in der popkulturellen Reflexion allgegenwärtig sind.

"Tides" des Schweizer Regisseurs Tim Fehlbaum, der nun in den Kinos zu sehen ist, reiht sich thematisch genau in den Kanon der Weltuntergangsfilme ein, mit einem Unterschied: Während die meisten seiner Kumpanen den Weltuntergang genüsslich mit Spezialeffekten zelebrieren, ehe man zu neuen Welten aufbricht, ist Fehlbaum mit seiner Crew und dem Cast schon dort: Auf dem Planeten Kepler 209, zu dem die elitären Reste der Menschheit nach einer gigantischen Flut vor bereits 200 Jahren aufgebrochen sind. Doch im neuen Lebensumfeld ist nicht alles tiptop: Auf Kepler 209 können die Menschen nämlich keine Kinder bekommen - sie werden unfruchtbar. Ein Umstand, der sie dazu zwingt, ein Team zurück zur Erde zu schicken, um nachzusehen, ob da nicht doch noch ein paar Leute überlebt haben.

Unfruchtbare Zukunft

Regisseur Tim Fehlbaum hat bereits Erfahrung mit Endzeit-Filmen: Er drehte 2011 den Film "Hell", in dem Hannah Herzsprung und Lars Eidinger durch eine von der Sonne verödete Welt streiften, auf der Suche nach Wasser und Zuflucht. "Meine Co-Autorin Mariko Minoguchi und ich wollten eine neue Geschichte erzählen", sagt Fehlbaum im Gespräch. "In ‚Tides‘ ist die Elite der Menschheit bereits übersiedelt, stellt aber auf dem neuen Planeten fest, dass sie durch die kosmische Strahlung unfruchtbar geworden ist. Der Film soll kein realistisches Zukunftsszenario sein und in erster Linie unterhalten, aber hoffentlich schwingt die Botschaft doch mit, dass wir besser auf unser Zuhause aufpassen sollten."

Fehlbaum und sein Team drehten "Tides" in Deutschland, genauer im Hamburger Watt, eine von Ebbe und Flut geformte Ebene, die durchaus Urängste weckt: "Als ich, der ich in den Schweizer Bergen aufgewachsen bin, das erste Mal den Drehort für ‚Tides‘ im deutschen Wattenmeer sah, wusste ich: Das hat eine ungemeine visuelle Kraft, ein Ort, auf dem Niveau des Meeres, an dem das Wasser binnen einer Stunde alles bedeckt, was man gerade noch gesehen hatte. Wir drehten dort mit viel Aufwand, denn wenn das Wasser kommt, hast du oft nur Minuten, ehe es dir bis zum Hals steht", sagt Fehlbaum.

Reale Spezialeffekte

Der Regisseur legte viel Wert darauf, dass die Spezialeffekte in "Tides" sehr lebensnah wirken und so wenig wie möglich aus dem Computer stammten. "Ich wollte die Anzahl der Special Effects, die über die Green Screens gemacht werden, so gering wie möglich halten. Manchen Filmen sieht man an, dass sehr viel Green Screen verwendet wurde, und das wollte ich verhindern. Das hilft der Authentizität hoffentlich".

Und weil Tim Fehlbaum innerhalb des Sci-Fi-Genres ein Weltuntergangsszenario erzählt, das so unrealistisch nicht sein mag, ist auch sein Zugang zum Genrekino einer, der danach trachtet, möglichst eine Balance aus packender Science Fiction und Realität auf die Leinwand zu bringen. "Einerseits denke ich nicht so viel über das Genre nach, wenn ich beginne, an einem Film zu arbeiten", sagt Fehlbaum. "Andererseits spiele ich gerne mit Genre-Elementen und den Regeln herum, und will meinen Anspruch zugleich so authentisch wie möglich halten.