"Seit es die #MeToo-Bewegung gibt, spüre ich eine deutliche Veränderung im Filmbereich: Das ist für die Frauen in diesem Business wie eine dauerhafte Wetteränderung. Ich vergleiche es gerne mit dem Fall der Berliner Mauer", sagt Jane Campion im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" am Rande des Filmfestivals von Venedig. Dort stellte sie ihren neuen Film "The Power of the Dog" vor, mit Kirsten Dunst und Benedict Cumberbatch in den Hauptrollen. Die Netflix-Produktion der 67-jährigen Regisseurin, die 1992 für "Das Piano" die Goldene Palme von Cannes holte, soll noch heuer bei dem Streamingdienst starten.

"Ich würde es sehr begrüßen, wenn es mehr Frauen gäbe, die die Chance haben, bei einem Film Regie zu führen", sagt Campion. "Die Vorzeichen war niemals besser als heute: Auch der Oscar für Chloe Zhao und deren Drama ‚Nomadland‘ sowie die heurige Goldene Palme für Julia Ducournau und ‚Titane‘ sind ein Beleg dafür, dass sich hier endlich nachhaltig etwas zum Besseren verändert hat", findet Campion.

Doch der Paradigmenwechsel ginge immer noch zu langsam vonstatten. "Zwar gibt es mehr und mehr Frauen im Rampenlicht, es sind aber immer noch zu wenige weibliche Stimmen, die gehört werden". Dass Streaming-Dienste wie Netflix nun großflächig vermehrt in TV-Programm investierten, sei ein Segen, immerhin habe Netflix sie für "The Power of the Dog" mit dem bislang größten Budget ihrer Karriere ausgestattet. "Ich kenne die bisherige Realität sehr gut: Dass man Frauen zwar manchmal eine Karriere ermöglicht hat, aber immer nur für Filme mit sehr geringen Budgets. Das verändert sich langsam, und ich hoffe, durch die Streaminganbeiter wird sich diese Entwicklung beschleunigen".