Mit "Dune", dem Remake von David Lynchs "Der Wüstenplanet" (1984), ist am Wochenende in Venedig einer der am meisten erwarteten Herbst-Blockbuster vom Stapel gelaufen - unter großem Medienrummel und mit unzähligen Schaulustigen, die ganz offensichtlich wegen des Stars des Films, Timothée Chalamet, gekommen waren und sich - völlig Covid19-unkonform - zum Drängeln und laut Schreien hinreißen ließen. 

Denis Villeneuves "Dune" hat 160 Millionen Dollar gekostet, und dabei ist gar nicht so sicher, wieviel der Film davon wieder einspielen kann. Denn der Crowdpleaser, den viele erwartet hatten, ist "Dune" nicht. Ein Spektakel, das zumindest eine von seinen knapp drei Stunden Laufzeit benötigt, um diese fremde, neue Welt einigermaßen einzuführen, in der er spielt, strahlt eher Langeweile aus. Und Langeweile ist Kassengift. Immerhin: Schön anzusehen ist das Ganze ja, auch dank Chalamet (finden die weiblichen Fans) und Zendaya (finden auch die weiblichen Fans). Dazu wummert und kracht es auf dem fernen Planeten in der fernen Zeit, achttausend Jahre später als heute. Spröde Raumschiffe, spröde Namen für Stämme, Planeten und Denkrichtungen. Es geht "um die Vorherrschaft über das Galaktische Imperium der Menschheit: Aus diesem Grunde schickt der kosmische Imperator Shaddam IV. Fürst Leto auf den unwirtlichen Wüstenplaneten Arrakis, wo monströse Sandwürmer leben, die eine mentale Droge - das Spice - produzieren. Doch Letos Sohn Paul wird mit Hilfe der Droge zum Erlöser und Befreier der unterdrückten Wüstenplaneten-Bewohner im Kampf gegen Shaddams Truppen". Besser als Wikipedia kann man diese absurde Handlung auch nicht zusammenfassen. 

Nicht gerade konform mit den Covid-Abstandsregeln: Die Premiere von "Dune" mit unzähligen Schaulustigen. 
- © Katharina Sartena

Nicht gerade konform mit den Covid-Abstandsregeln: Die Premiere von "Dune" mit unzähligen Schaulustigen.

- © Katharina Sartena

Natürlich darf man das alles nicht so isoliert betrachten. Schließlich ist "Dune" nur der Auftakt zu einer neuen Filmreihe, die an Epik kaum zu überbieten sein soll. Die Vorlage lieferte der vor 35 Jahren verstorbene US-Fantasyautor Frank Herbert, mit dem ersten seiner sechs "Wüstenplanet"-Bücher. Herberts Nachkommen haben nochmal gut eineinhalb Dutzend Bücher nachgeschossen, die Reihe ist eine der beliebtesten der Science-Fiction-Literatur. Es gilt nun also, diesen unglaublichen Geschichtenfundus auszuschlachten und daraus das "Star Wars" des 21. Jahrhunderts zu formen. Die durchaus rätselhafte Geschichte soll dabei aber nicht zu sehr publik werden - die Kritiker am Lido mussten ihre Handys in undurchsichtige Plastik-Sackerl packen, damit man nur ja keine heimlichen Aufnahmen machen konnte. Hier geht es um viel Geld und darum, einen Kultfaktor zu erzeugen. Die erste Hälfte des Romans von Herbert ist in "Dune" nun zum Film geworden, und nur bei einem Publikumserfolg soll auch die andere Hälfte folgen.

"Dune" ist der Auftakt zu einer neuen Sci-Fi-Saga. 
- © Warner Bros.

"Dune" ist der Auftakt zu einer neuen Sci-Fi-Saga.

- © Warner Bros.

Es ist ein Stoff, der die Zukunftsängste der Menschheit reflektiert. Auf dem Wüstenplaneten herrschen Tagestemperaturen von 140 Grad, zum Leben ist das zu unwirtlich. Zugleich sind die Sandwürmer, die das Spice produzieren, so etwas wie die Heilsbringer: Der Stoff verlangsamt nämlich das Altern, und davon hat die Menschheit ja schon immer geträumt.

Chalamet macht seinen Job in "Dune" ziemlich gut, weil er tut, was er immer tut: Verletzlich aussehen, das kommt an. Auch bei Charlotte Rampling, die ihm einmal eine vergiftete Spitze bedrohlich nah an die Halsschlagader halten darf. Spannung generiert das aber keine. Wie auch der gesamte Film sich mehr wie eine Kunstfilm-Annäherung an ein Spektakel in der fernen Fremde anfühlt. Villeneuve ist es nicht gelungen, die großen Zukunftsfragen der Menschheit, die in Herberts Vorlage allgegenwärtig sind, in seinem Film als Faszinosum zu inszenieren. Es ist eher mehr eine laute, krachende Essenz von dem, was uns im Kino eher langweilt: Seelenlose, ausufernde Materialschlachten ohne irgendeinen leidenschaftlichen Zugang.