Cool, maskulin, ein gaunerhaftes Lächeln auf den Lippen: So hat sich Jean-Paul Belmondo in die Herzen des Kinopublikums gespielt, und er begeisterte damit Frankreichs führende Regisseure. François Truffaut, Louis Malle und Claude Sautet rissen sich um den jugendlichen, unerschrockenen Kerl in engen Jeans. Belmondo stand in knapp 100 Kinofilmen vor der Kamera, prägte legendäre Streifen wie "Und dennoch leben sie", "Die Millionen eines Gehetzten" und "Angst über der Stadt". Am Montag ist der Schauspieler in Paris im Alter von 88 Jahren verstorben, wie sein Anwalt mitteilte.

Durchbruch mit "Außer Atem"

Geboren 1933 im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine, wächst Belmondo in einer kunstsinnigen Familie auf: Sein Vater ist der Bildhauer Paul Belmondo, die Mutter die Tänzerin Madeleine. Der Knabe ist schwierig, muss mehrmals die Schule wechseln. Mit 16, bei einem Kuraufenthalt wegen einer Tuberkulose-Erkrankung, reift in ihm der Entschluss, eine Schauspielerlaufbahn einzuschlagen. Belmondo lernt am Pariser Konservatorium, schlägt sich mit schlecht bezahlten Auftritten durch.

Das ändert sich blitzartig durch "Außer Atem": 1960 gelingt ihm mit dem Nouvelle-Vague-Klassiker von Jean-Luc Godard der Durchbruch. Belmondo, in dem Film als Kleinkrimineller durchgehend auf der Flucht, avanciert über Nacht zum Paradegesicht des Kinorebellen, der die Regeln der bürgerlichen Welt nonchalant aus den Angeln hebt.

"Außer Atem" lässt früh sein Talent als Darsteller von Ganoven und Gangstern erkennen. So holt ihn Claude Sautet in "Der Panther wird gehetzt" als jungen Gangster und Handlanger vor die Kamera. In "Der Teufel mit der weißen Weste" lässt ihn Jean-Pierre Melville einen Polizeispitzel spielen. François Truffaut dreht mit ihm "Das Geheimnis der falschen Braut" und Jacques Deray "Borsalino". Seinem Hang zum Kunstfilm frönt Belmondo nicht zuletzt in Godards "Elf Uhr nachts" ("Pierrot le fou"), einem Liebesdrama, das der Bourgeoisie ebenso eine Absage erteilt wie den Konventionen des Geschichtenerzählens: Auch da ist Belmondo ein Feuerkopf mit krimineller Energie, der Hals über Kopf den Schauplatz wechselt.

 

 

Doch der Filmheld ist wandlungsfähig. Dass ihm auch Melancholie und Verletzlichkeit gut stehen, beweist er schon 1960 in "Stunden voller Zärtlichkeit" von Peter Brook. Den Abenteurer und Actionhelden in ihm bringt Philippe de Broca in "Cartouche, der Bandit" und in "Abenteuer in Rio" zutage. Seine Rollenvielfalt und Ausdruckskraft machen ihn für Melville zu einem der außergewöhnlichsten Schauspieler seiner Generation. Den ewigen Rivalen Alain Delon überragt Belmondo an komödiantischem Talent. Die Franzosen nennen Belmondo liebevoll "Bébel", für Delon gibt es keinen Spitznamen.

Seine Stunt machte er selbst

In den 1970er Jahren beginnt der durchtrainierte Schauspieler sich immer mehr als Komödiant und Actionstar zu profilieren. Dabei riskierte als sein eigener Stuntman Kopf und Kragen: Unerschrocken klettert er an Strickleitern zu Helikoptern hoch. Als er sich in "Der Boss" bei einem Stunt am Kopf verletzt, machte er mit seinen halsbrecherischen Unternehmen Schluss. Da ist er 52.

Als sich das Kino von ihm anwendet, kehrt Belmondo zu seinen Anfängen zurück, dem Theater. 1991 erwirbt er in Paris sein eigenes Schauspielhaus, steht dann in mehr als 40 Rollen auf der Bühne.

Im November 1999 erleidet er in Brest auf der Bühne einen Herzanfall, 2001 auf Korsika einen Schlaganfall. Mit eisernem Willen kämpft sich Belmondo zurück: Zwei Jahre braucht er, um wieder sprechen zu können, weitere fünf Jahre später steht er noch einmal vor den Kameras für "Ein Mann und sein Hund". Es sollte sein letzter Spielfilm sein. "Der Wille macht vieles möglich", lautete Belmondos Credo. In seinem Œuvre ist es für die Ewigkeit festgehalten. (irr/apa)