Dayna Goldfine hat eine spezielle Vorliebe für Musik, und das kommt einem musik-affinen Filmfestival wie Venedig durchaus zugute. Die US-Produzentin und Regisseurin hat sich für ihre Doku "Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song" tief in die Materie eingearbeitet, um den legendären, 2016 verstorbenen Sänger und Songwriter zu porträtieren. Herausgekommen ist ein einerseits intimes, andererseits allumfassendes Porträt, das in Venedig abseits des Wettbewerbs viel Beifall fand. 

"Leonard Cohen war Poet und Musiker zugleich, beides mit vollem Einsatz", findet Goldfine im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" in Venedig. "Ich hatte das Glück, ihn zweimal live auf der Bühne erleben zu dürfen, das war 2010 und 2013. Seine Konzerte haben mich tief berührt, und dabei vor allem seine jeweilige Performance von ‚Hallelujah‘", so Goldfine. Für die Regisseurin ist Leonard Cohens vielleicht berühmtester Song auch zugleich eine Art Essenz seines künstlerischen Schaffens, weshalb sie von ihm ausgehend nun die Weltkarriere des Musikers in ihrem Film aufrollt. "‚Hallelujah‘ war der logische Ausgangspunkt für mich, einmal wegen meiner Liebe zu Cohens Musik und außerdem wegen seiner unglaublichen Komplexität", sagt Goldfine.

Dayna Goldfine hat für ihre Doku mehr als 100 Stunden Material gesichtet. 
- © Katharina Sartena

Dayna Goldfine hat für ihre Doku mehr als 100 Stunden Material gesichtet.

- © Katharina Sartena

Sieben Jahre lang hat die Filmemacherin an "Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song" gearbeitet, auch, weil sich der Schnitt aufwändig gestaltete. Unzähliges Archivmaterial wurde gesichtet, und auch Cohens eigene Gedanken liegen als Voice Over über dem Film. "Wir entdeckten das Buch "The Holy or the Broken" von Alan Light, in dem die Reise von ‚Hallelujah‘ vom abgelehnten Song bei den Plattenfirmen zur vielfach geliebten Hymne detailliert beschrieben wurde", sagt Goldfine, die noch vor Cohens Tod mit dem Künstler Kontakt aufgenommen und ihm die Idee zur Doku unterbreitet hatte. "Er war von unserem Ansatz überzeugt und wollte mitmachen. Weil er persönlich so sehr hinter dem Projekt stand, war es uns möglich, den Film nach seinem Tod so zu vollenden, wie wir es uns vorgestellt hatten".

Am Ende durchforstete Goldfine gut 100 Stunden Archivmaterial und zusätzlich 70 Stunden an Audio-Aufnahmen, ehe es mit dem ganzen Konvolut in den Schneideraum ging. "Wir mussten schweren Herzens viele Szenen aus dem Film wieder entfernen, weil er sonst zu lange geworden wäre", sagt Goldfine. "Aber das ist oft der beste Beweis, dass man auf dem richtigen Weg ist: Wenn man geliebte Szenen wegschmeißen muss und die Hommage am Ende dennoch haften bleibt". Cohen-Fans werden die Doku jedenfalls lieben.