Es gibt wohl selten einen persönlicheren Film als diesen: Mehr als 20 Jahre lang hat die syrische Filmemacherin Diana El Jeiroudi an "Republic of Silence" gearbeitet, mehr als sieben Jahre allein konkret damit im Schneideraum experimentiert. Es ist ihre ganz eigene Geschichte, die sie mit nach Venedig gebracht hat, wo der knapp dreistündige Film außerhalb des Wettbewerbs Premiere feierte. 

In dem Film zeichnet die 44-jährige Regisseurin einen langen Leidensweg nach: Es ist ihr Leidensweg. Es geht darin um das Aufwachsen und das Großwerden in einem der konfliktbelastetsten Länder der Welt: Syrien kommt seit Jahrzehnten nicht aus den Negativ-Schlagzeilen - (Bürger-)Kriege, Konflikte, politische Verfolgung, Unterdrückung, all das sind die Nachrichten, die uns fast täglich ereilen. "Doch dann gibt es noch die Geschichten hinter den Schlagzeilen", erzählt El Jeiroudi im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" in Venedig. "Ich habe versucht, ein Innenleben dieses Konflikts zu illustrieren, den Blick dahinter zu wagen und in die Tiefe zu gehen. Damit die Geschichten nicht bloß Schlagzeilen bleiben". Der Film sei eine intensive Reise, auf die man sich mitnehmen lassen könne, meint El Jeiroudi. 

Filmemacherin Diana El Jeiroudi. 
- © Katharina Sartena

Filmemacherin Diana El Jeiroudi.

- © Katharina Sartena

"Republic of Silence" zeigt, eingeteilt in Kapitel, eine ganze Lebensgeschichte, angefangen von der Kindheit der Regisseurin, die als 7-Jährige vom Vater eine Filmkamera geschenkt bekommen hatte und seither ohne Unterlass Bilder produziert. Ihre Schulzeit, ihre Jugend in Syrien. Und dann, 2012, die plötzliche Verhaftung ihres Partners, des Filmemachers Orwa Nyrabia, durch syrische Behörden. "Plötzlich war er wie vom Erdboden verschluckt, ich verlor ihn aus den Augen, und ich bekam Panik", sagt sie. Weil sich internationale Prominente, darunter Robert De Niro und Michelle Rodriguez, für Nyrabias Entlassung stark machten, kam dieser nach drei Wochen frei. Der Grund für seine Festnahme lag da bereits drei Jahre zurück, als er sich im Rahmen eines öffentlichen Aufrufs für Demokratie in Syrien ausgesprochen hatte. "Es war immer unser Traum, dass wir uns als Künstler zusammentun und für eine bessere Welt kämpfen", sagt El Jeiroudi. Es sollte ein naiver Traum bleiben.

Seit 2002 hat El Jeiroudi eine Filmproduktionsfirma, die mitunter schwierige Projekte umsetzt, darunter auch ihre eigene Regiearbeit "Dolls: A Woman from Damascus" (2007) über die arabische Variante der Barbiepuppe. Heute lebt sie mit Nyrabia in Berlin, ist gut integriert in die deutsche Filmemacher-Szene. "Heimat ist für mich überall", sagt sie. "Aber in dieses Syrien will ich definitiv nicht zurück". "Republic of Silence" beschreibt ihre eigene Ohnmacht dem Land und dem Regime gegenüber. "Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass wir eines Tages ein Land vorfinden, in dem die Menschen in Sicherheit leben können und keine Angst haben müssen. Dies wäre die Richtung, in die sich Syrien entwickeln muss". Der Film wirkt wie ein Plädoyer dafür, zugleich ist er auch Einblick in die schlimmsten Momente, in denen man an der Realität verzweifelt. "Leider muss ich sagen, dass die Vision von einem Syrien in Frieden noch in weiter, weiter Ferne liegt".