Es ist immer ein Kraftakt, wenn das Blockbusterkino eine neue Filmreihe gebiert. Neue Charaktere müssen eingeführt werden, die Erzählungen sind zumeist auf mehrere Filme angelegt, und die Bilder müssen auch spektakulär genug sein, damit das Ganze überhaupt jemand sehen will.

Der Kanadier Denis Villeneuve, der der Welt Filme wie "Prisoners", "Sicario" und zuletzt "Blade Runner 2049" gebracht hat, unternimmt in "Dune" nun eine solche Grundsteinlegung: US-Fantasyautor Frank Herbert hatte seinerzeit mit seinen sechs "Wüstenplanet"-Büchern die Fans begeisteret. Herberts Nachkommen haben nochmal gut eineinhalb Dutzend Bücher nachgeschossen, die Reihe ist eine der beliebtesten der Science-Fiction-Literatur. Es gilt nun also, diesen unglaublichen Geschichtenfundus auszuschlachten und daraus das "Star Wars" des 21. Jahrhunderts zu formen. Villeneuve erzählt in "Dune" nun die erste Hälfte von Herberts erstem Roman. Wird das ein Erfolg, sollen weitere Filme folgen.

Schon einmal gab es eine Verfilmung des Stoffs, doch als David Lynchs "Der Wüstenplanet" (1984) erschien, waren weder das Publikum noch der Regisseur wirklich glücklich damit. Villeneuve will es erneut versuchen und serviert einen knapp dreistündigen Film, der wie ein Prolog wirkt, so viel Zeit lässt er sich mit der Einführung in die Saga. Dazu wummert es bedrohlich auf der Tonspur, wenn Villeneuve die Geschichte, die im 11. Jahrtausend spielt, so langsam ausbreitet, als spielte sie in Zeitlupe. Über eine Stunde nimmt sich der Regisseur Zeit, um die Ausgangslage zu erklären, und doch: Klüger ist man als Zuschauer, der das Buch nicht gelesen hat, kaum.

Es geht um Herzog Leto Atreides (Oscar Isaac), der die Verwaltung des Wüstenplaneten Arrakis, auch bekannt als Dune, der einzigen Quelle des "Spice", der wertvollsten Substanz im Universum, übernimmt. Diese Substanz ist eine Droge, die das Leben verlängert und Menschen Übermenschliches ermöglicht. Leto ahnt, dass die Aufgabe eine Falle seiner Feinde ist, dennoch nimmt er seine Konkubine, die Bene-Gesserit Lady Jessica (Rebecca Ferguson), und seinen Sohn und Erben Paul (Timothée Chalamet) von seinem Heimatplaneten Caladan mit. Der Abbau des Spice wird durch die Anwesenheit von riesigen Sandwürmern gefährlich (die Würmer sind der größte Schauwert des Films!). Bald brechen Paul und Jessica zu den Fremen, den Eingeborenen von Arrakis, auf, die in einer schrecklich heißen Wüste leben.

Dramatisch und verletzlich

Unterwegs muss man sich viele klobig-unförmige Raumschiffe ansehen und sich spröde Namen für Stämme, Planeten und Denkrichtungen merken, um den Anschluss nicht zu verlieren. Die Darsteller dürfen dramatisch schauen und die epischen Bilder sollen Eindruck schinden. Chalamet macht seinen Job in "Dune" ziemlich gut, weil er tut, was er immer tut: Verletzlich aussehen, das kommt an. Auch bei Charlotte Rampling, die ihm einmal eine vergiftete Spitze bedrohlich nah an die Halsschlagader halten darf. Spannung generiert das aber wenig. Wie auch der gesamte Film sich mehr wie eine Arthaus-Annäherung an ein Spektakel in der Fremde anfühlt. Villeneuve ist es nicht gelungen, die großen Zukunftsfragen der Menschheit, die in Herberts Vorlage allgegenwärtig sind, in seinem Film als Faszinosum zu inszenieren. Stattdessen dominiert eine seelenlose Dramatik, die wohl nur die Kenner der Bücher beeindrucken kann.