Unter allen heimischen Filmschaffenden nimmt Houchang Allahyari eine Sonderstellung ein: Eigentlich ist der 1941 in Teheran geborene Regisseur, der als junger Mann nach Wien kam, im Hauptberuf nämlich Psychiater. Er nimmt nicht nur deshalb auf der Position eines Außenseiters Platz, was aber - zumindest in Allahyaris Fall - kein Nachteil sein muss. Gerade aus diesem Spannungsfeld zwischen Beruf und Berufung hat der Filmemacher seine besten Geschichten generiert, hat unermüdlich an seinem umfangreichen Werk gearbeitet und ist dabei ohne Unterlass vorgegangen.

Mit großer Hartnäckigkeit hat er Geschichten erzählt, die oftmals (kaum verwunderlich) ebenfalls von Außenseitern handelten, die von Allahyaris kulturellem Background ebenso berichteten wie von der zutiefst österreichischen Mentalität, die vielen seiner Filme innewohnt. Es ist oftmals ein Kino des budgetären Minimalismus, aber es ist leidenschaftliches Kino, das unbedingt existieren will und muss; Allahyari hat viele seiner Filme selbst produziert, zumeist mit sehr geringen Budgets und sehr kleinen Teams.

Ansehnliches Werk mit Blick auf die Gesellschaft

Jetzt ist sein Gesamtwerk in einer großen Retrospektive im Wiener Metrokino zu sehen, aus Anlass des 80. Geburtstags des Künstlers am vergangenen 1. Februar. Die Retrospektive hätte auch bereits im Februar stattfinden sollen, doch die Corona-Krise verhinderte dies. Noch bis 13. Oktober sind Allahyaris Filme nun auf dem Spielplan, der von Kurator Florian Widegger vom Filmarchiv Austria zusammengestellt wurde. Es sei "ein ansehnliches Werk, in dem Allahyari sich selten um Publikumserwartungen sorgt. Vielmehr ist seine filmische Arbeit eng mit der des Psychiaters verbunden und rückt vermeintliche Außenseiter mit Blick auf die Gesamtheit von Gesellschaft, System und Kultur ins Bild: Reisen zum Mittelpunkt des Menschseins", so Widegger.

Auf dem Spielplan stand bereits die neueste Arbeit des Regisseurs: "Goli Jan" erzählt von einer jungen Frau, die - nachdem ihr Vater von den Taliban ermordet wurde und ihr Onkel sie an einen alten Mann verheiraten will - gemeinsam mit dem Fahrradboten Jawad aus Afghanistan flieht und sich als Bub verkleiden muss, um nicht aufzufallen. Es ist die Rückkehr Allahyaris in den Iran, wo er eindringlich an aktuellen und überholten Geschlechterbildern forscht.

Noch zu sehen sind im Metrokino unter anderem "I Love Vienna" (1991), die Culture-Clash-Komödie, die Allahyari einem größeren Publikum bekannt machte (26. September), seine Heimreise in den Iran in "Rote Rüben in Teheran" (2016, 25. September), der famos gespielte "Höhenangst" (1994, 28. September), "Der Gast" (2018), Allahyaris Variation auf Pasolinis "Teorema" (24. September und 1. Oktober) oder auch die wunderbare Filmemacher-Passionsstudie "Robert Tarantino" (2013) über einen Wiener, der in seiner Freizeit nichts lieber tut, als trashige No-Budget-Horrorfilme zu drehen (27. September). Nie ist Houchang Allahyari liebevoller mit der Leidenschaft fürs Filmemachen umgegangen als in diesem kleinen Meisterwerk.