"Es ist ein Bio-Pic, aber nicht im klassischen Sinne", sagt Regisseur Andreas Schmied über "Klammer - Chasing the Line". Erzählt wird nämlich nicht die gesamte Laufbahn von Ski-Ass Franz Klammer, sondern lediglich eine Episode daraus. "Es war vielleicht die wichtigste Woche meiner Karriere", so Klammer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" im Zürcher Nobelhotel Dolder Grand.

Der Film dreht sich um Klammers fulminanten und legendären Abfahrtssieg bei den Olympischen Spielen in Innsbruck 1976. "Damals wurde meine Startnummer denkbar ungünstig ausgelost. Ich bin gern als dritter oder vierter gestartet, doch hier bekam ich Starplatz 15", erinnert sich Klammer. "Das bedeutete: Eine völlig abgefahrene Piste erwartete mich". Dass Klammer dennoch gewann, hat viel mit seiner mentalen Stärke zu tun. "Damals dachte ich, man braucht als Abfahrtsläufer 60 Prozent Ski-Talent und 40 Prozent Nerven. Heute weiß ich: Es sind zehn Prozent Können und 90 Prozent Psyche. Gewinnen kannst du nur mit dem Kopf".

Franz Klammer und das gesamte Filmteam feierten in Zürich. 
- © Katharina Sartena

Franz Klammer und das gesamte Filmteam feierten in Zürich.

- © Katharina Sartena

Gespielt wird Franz Klammer im Film von dem jungen Klagenfurter Schauspieler Julian Waldner, der eine sehr gute Performance abgibt. Klammer, der sich viele Jahre gegen eine Verfilmung seines Lebens gesträubt hatte, empfand den Drehbuchentwurf zu "Klammer" als "endlich eine Fassung, bei der alles stimmte". Und für Waldner hat er viel Lob übrig: "Erstens ist er auch Kärntner", lacht Klammer. "Und außerdem erinnert er mich an mich selbst, als ich jung war, ein fescher, sportlicher Kerl". 

Franz Klammer kam mit seiner Ehefrau Eva.  
- © Katharina Sartena

Franz Klammer kam mit seiner Ehefrau Eva. 

- © Katharina Sartena

Der Ski-Sport, darin sind sich Klammer und Bernhard Russi einig, hat sich verändert, nach all den Jahrzehnten. "Er ist oberflächlicher geworden", findet Russi. "Früher waren die Journalisten beispielsweise fast Teil des Teams, man ging mitsammen essen und plauderte wirklich sehr freundschaftlich". Das hat sich verändert. "Heute haben alle zig Betreuer und PR-Berater", sagt Klammer. Und auch Social Media hat Einzug in den Ski-Zirkus gehalten. "Die Läufer müssen jeden Tag etwas posten, damit sie im Gespräch bleiben". Etwas, was Klammer nicht gefällt. "Mit Social Media habe ich es nicht so". 

Der Film jedenfalls fand großen Anklang. Spektakuläre Ski-Abfahrten (unter anderem gefahren von Daron Rahlves als Klammer-Double vor der Kamera) wechseln sich mit einem interessanten Blick hinter die Kulissen von Olympia 1976 ab. Und dann ist da noch Klammers Ehefrau Eva (gespielt von Valerie Huber), die ihren Franz in Innsbruck besucht. "Vielleicht war sie der Grund, weshalb ich als Erster ins Ziel gekommen bin", sagt Klammer. "Weil die Liebe verleiht mir Flügel".