Im Vorjahr gab es rund um die Ausrichtung der Viennale ein großes Fragezeichen, weil Corona den Herbst voll im Griff hatte. Doch die Viennale konnte letztlich eingeschränkt stattfinden. Auch heuer wird es Einschränkungen geben, jedoch ist man durchaus umfassender vorbereitet und hat strengere Regeln: So gilt im Gartenbaukino, dem Flaggschiff der Viennale, das soeben erst aufwendig renoviert wurde, die 2G-Regel: Nur Genesene und Geimpfte dürfen hier an der Viennale teilnehmen, für die übrigen Festivalkinos gilt das nicht: Dort darf man auch getestet ins Kino, allerdings ausschließlich mit negativem PCR-Testergebnis.

"Wir schätzen uns glücklich, dass wir, den widrigen Umständen zum Trotz, die Kontinuität unserer Veranstaltung wahren und die 59. Ausgabe der Viennale mit viel Enthusiasmus und etwas mehr Ruhe vorbereiten konnten", sagt Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi, die heuer ihre bereits vierte Viennale ausrichtet.

Große Namen des Weltkinos

Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi. - © Katharina Sartena
Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi. - © Katharina Sartena

Dafür war Sangiorgi wieder bei den großen Filmfestivals in Berlin, Cannes, Locarno und Venedig unterwegs, um die diesjährigen Perlen des Weltkinos für die Viennale zu entdecken. Rund 240 Filme hat Sangiorgi zusammengetragen, die zwischen 21. und 31. Oktober Wien wieder zur Hauptstadt der Cineasten machen werden.

Mit dabei ist der Gewinner des goldenen Löwen von Venedig, der die Filmschau eröffnen wird: Zur Premiere des starken Abtreibungsdramas "L’évènement" von Audrey Diwan wird die französische Filmemacherin in Wien erwartet. Mit Leos Carax‘ "Annette", Paul Verhoevens "Benedetta" und Gaspar Noés "Vortex" ist das provokante Weltkino gut vertreten, mit Paul Schraders "Card Counter", Apichatpong Weerasethakuls "Memoria" oder Jane Campions "The Power of the Dog" sind prestigeträchtige Arthaus-Produktionen im Programm. Highlights sind außerdem Pablo Larrains Diana-Biopic "Spencer", Sean Bakers Amerika-Studie "Red Rocket" oder die Doku "Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song" von Dayna Goldfine über den berühmten Singer-Songwriter.

Wichtig ist der Viennale die thematische Verortung ihres Programms in den Themen der Zeit: "Unbestreitbar sprechen die ausgewählten Filme - vermittelt über die politischen, humanistischen und sozialen Gedanken, die sie entwickeln - von uns und von der Welt; wobei besondere Aufmerksamkeit, und das bestätigen mitunter sogar schon die Titel, der Erinnerung und der Geschichte zukommt", sagt Sangiorgi. Auch das Thema Erziehung und Bildung ist vertreten, etwa mit der Doku "Herr Bachmann und seine Klasse", das bei der Berlinale lief, oder mit "Nous" von Alice Diop.

Hinzu gesellt sich eine starke Präsenz heimischer Filme: Insgesamt sechs Langfilme und zehn Kurzfilme aus Österreich feiern Viennale-Premiere, allen voran Sebastian Meises "Große Freiheit" mit Georg Friedrich und Franz Rogowski. Der Film dreht sich um den berüchtigten Paragrafen 175, der seinerzeit Homosexualität unter Strafe stellte. Auch zu sehen: "Moneyboys" des in China geborenen und in Österreich lebenden Regisseurs C. B. Yi, der darin von einem jungen Mann erzählt, der sein Geld auf dem Strich verdient.

Die Viennale ist immer auch eine Filmschau gewesen, die gerne Rückschau gehalten hat, in Specials, Tributes und Retrospektiven. Heuer widmet man sich in einer Monografie dem Werk des britischen Regisseurs Terrence Davies, der auch nach Wien kommen wird und den Viennale-Trailer gestaltet hat. Weitere Specials sind Henrik Galeen und seinem Werk aus der Zeit der Weimarer Republik sowie dem Italiener Fabrizio Ferraro gewidmet. Die große Retrospektive des Filmmuseums verschreibt sich dem Filmkurator Amos Vogel, der heuer seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Trotz Corona haben sich im Übrigen etliche Filmgäste angesagt: Mia Hansen-Love kommt zur Premiere ihres Films "Bergman Island", Andrea Arnold stellt die Doku "Cow" vor, Bruno Dumont seinen Film "France" und Regie-Legende Abel Ferrara zeigt "Zeros and Ones". Eine für Cineasten durchaus lohnende Liste großer Namen.