In Hollywood haben nach wie vor die Männer das Sagen. Es ist daher kein Wunder, dass immer häufiger mit verschiedenen Mitteln versucht wird, Frauen im Filmbusiness sichtbarer zu machen. Ein scheinbar simpler Weg für Filmproduktionsfirmen, mehr Frauen in Hauptrollen auf die Bildschirme zu bringen, sind sogenannte Genderswaps: Das Geschlecht eines bereits bekannten fiktiven Charakters wird für Neuverfilmungen geändert - der Mann wird zur Frau. Zusätzlich sparen sich Produzenten auch den Aufwand neue Ideen kreieren zu müssen. Wieso sich auch die Mühe machen, wenn sich der Ober-Macho einfach zur Oberzicke umschreiben lässt (wie in der Netflix-Komödie "Einer wie keiner").

Dass der erste nach diesem Muster gestrickten Film, "Ghostbusters" (2016) damals bei Kritik und Publikum durchgefallen ist, schmälert das Vorhaben, mehr solche Geschlechtertausch-Remakes zu planen, wohl nicht. Gleich zwei große Filme dieser Art sollen ab 2022 für die Kinos geplant sein: "Herr der Fliegen" und "ExpendaBelles", der Ableger von "The Expendables". Viel ist über die weiblich besetzten Neuverfilmungen aber noch nicht bekannt.

Weibliche Klischees

Als beim Remake von "Ghostbusters" eine weibliche Hauptbesetzung verkündet wurde, sorgte das für einen erheblichen Shitstorm im Netz. Auch der Trailer auf YouTube wurde 2016 mit mehr als einer Millionen Dislikes zum unbeliebtesten Trailer überhaupt gekrönt. Der Aufruhr in den sozialen Medien ging sogar so weit, dass die Kommentatoren sexistische und rassistische Hetze gegen die Darstellerinnen betrieben. Die Taktik hat aber (feministisches) System: Drehbuchautorin Kirsten Smith, bekannt für die Filme "Natürlich Blond" und "10 Dinge, die ich an Dir hasse", sieht Genderswap-Neuverfilmungen als Mittel zum Zweck: "Es ist ein sicherer Weg für die Studios, Inhalte mit Frauen zu produzieren. Und wenn wir mit dieser Phase durch sind, werden auch Filme mit Originaldrehbuch und Frauen in der Hauptrolle nicht mehr die totale Ausnahme sein."

Auch Netflix springt auf das Konzept auf. Mit dem im Sommer 2021 erschienenen Film "Einer wie keiner" wagt der Streaming-Anbieter eine Neuauflage der 90er-Jahre-Teeniekomödie "Eine wie keine". Die Prämisse ist gleichgeblieben. Nur anstatt einer schüchternen Schülerin, die zur Ballkönigin gemacht werden soll, soll im Remake nun ein unbeliebter Nerd zum nächsten "Promking" und Influencer gemacht werden. Auch dieser Film wurde von einem massiven Backlash nicht verschont. Wobei sich die Kritik vorwiegend und berechtigterweise gegen die Überrepräsentation von Influencern richtete.

Obwohl sich die Meinungen spalteten, hat das Remake "Ocean’s 8" 2018 am Eröffnungswochenende 41 Millionen Dollar eingespielt - und damit seine drei männlich besetzten Vorgänger überholt. Nicht zuletzt wegen diesem Erfolg sind im Actionbereich mehr Frauen in Hauptrollen zu sehen. Originalfilme wie "Wonder Woman", "Captain Marvel" oder "Black Widow" haben gezeigt, dass Filme mit starken Frauenfiguren massive Erfolge erzielen. Trotzdem ist die Anzahl von weiblichen Hauptcharakteren in Kassenschlagern im Jahr 2020 von 40 auf 29 Prozent gesunken, wie das "Center for the Study of Women in Television and Film" belegt.

Der Grund liegt auf der Hand: Die Filmindustrie ist, wie andere Branchen auch, nach wie vor männerdominiert. Aber vor allem auch ihr Publikum. Aus der Erzählperspektive des Mannes scheint es naheliegend, dass Männer die Heldenrolle übernehmen und Frauen die Funktion des romantischen Gegenparts. Und dadurch stets als jung, schön und unwiderstehlich präsentiert werden. Zwar dürfen Frauen in Heldenrollen "genauso stark" wie die Männer sein, aber auch da verschwindet der Sex-Appeal nicht ganz. Mit viel Haut stellt sich "Wonder Woman" ihren Gegnern. Aber "Wonder Woman" oder "Captain Marvel" sind nicht die einzigen. Starke Frauencharaktere werden in Hauptrollen recht einseitig präsentiert: Sie sind in körperlicher Höchstform, stets rational und brutal. Alles Eigenschaften, die "männlich" konnotiert sind. "Weiblich" konnotierte Eigenschaften wie Empathie, Verletzlichkeit oder die Fähigkeit des Zuhörens, werden nicht als "stark" angesehen. Auch Oscar-Preisträgerin Natalie Portman kritisiert diese Darstellungsweise von Frauen in Heldenrollen. Portman, die auch als Regisseurin tätig ist, bezeichnet diese Vorgehensweise Hollywoods als absoluten Trugschluss. Denn starke Frauencharaktere müssen nicht immer fehlerlos sein, um feministisch zu sein. Vielmehr sollten Personen porträtiert werden, mit denen man mitfühlen kann. Fernab jeglicher Stereotype.

Bond bleibt männlich

Die britische Schauspielerin Lashana Lynch übernahm als erste Frau im aktuellen "James Bond: Keine Zeit zu Sterben" die Agentenbezeichnung 007. Nach Daniel Craigs endgültigem Aus als Bond schiene ein weiblicher James Bond zum Greifen nahe. Könnte sich das Bond-Franchise künftig hinter den Genderswap-Remakes "Ghostbusters" und "Oceans 8" einreihen?

Bond-Produzentin Barbara Broccoli wehrt sich vehement dagegen. "Bond ist als Mann konzipiert, das wollen wir nicht ändern," äußert sie sich gegenüber dem US-amerikanischen Magazin "Variety". Bond in künftigen Folgen von einer Frau spielen zu lassen, lässt sich auch nicht so einfach wie bei "Ghostbusters" und Co. umsetzen: Bond verkörpert wohl den "perfekten" Mann - aus einer bestimmten, vergangenen Zeit. Ein Abbild, welches dem Zeitgeist der 50er und 60er Jahre entspringt und über die Jahre einen Kultstatus erhalten hat. Dieses Konzept eins zu eins auf eine Frau, zumal eine moderne, zu übertragen, ist schwierig. Es ist schon schwierig genug, Bond als zeitgemäßen Mann zu zeigen.