Es ist die Geschichte einer schillernden Figur des deutschen Kunstbetriebs, die die Kulturszene erst in Ost- und dann in West-Berlin aufmischte, die nach der Wende aber trotzdem nahezu in Vergessenheit geriet: Vor 20 Jahren starb der Schriftsteller Thomas Brasch, dem Regisseur Andreas Kleinert mit "Lieber Thomas" ein liebevolles, in schwarzweiß gedrehtes Bio-Pic widmet, nachdem 2018 bereits eine Doku an den Literaten erinnert hatte, der auch als Drehbuchautor, Übersetzer und Regisseur arbeitete.

Unbequemer Literat

Kleinert, der sonst für Spannung im Fernsehen sorgt, indem er "Tatort"-Krimis inszeniert, zeigt, dass er auch noch mehr kann: Mit viel Feingefühl und dicht an den Protagonisten klebend, fängt er die Vita des Dichters ein. Der wird gespielt von Albrecht Schuch, einem Shooting-Star des deutschen Films, der zuletzt in "Fabian oder der Gang vor die Hunde" und in "Schachnovelle" überzeugte. Als sein Konterpart ist Jella Haase in der Rolle von Braschs Partnerin zu sehen (im echten Leben war Brasch mit der Schauspielerin Katharina Thalbach liiert). Der Film zeigt deutsche Zeitgeschichte: Als Brasch in der DDR zu schreiben beginnt, wird sein erstes Buch verboten. Die von ihm geplanten Aufstände in Berlin aus Anlass des Prager Frühlings scheitern. Sein eigener Vater verrät ihn an die Stasi, und nach der Haft flieht er in den Westen, wo ihn endlich der Applaus ereilte, den er verdient hatte. Ein schönes Denkmal an einen schwer zu fassenden Künstler.