Die Spaltung des österreichischen Regieverbands, bei dem 42 vorwiegend weibliche Mitglieder ausgetreten sind, ist noch nicht lange her (die "Wiener Zeitung" berichtete), da wird vom ÖFI nun ein Faktenreport zur Lage der Frauen im heimischen Filmschaffen nachgelegt. Der Gender-Report will wissen, wie viel Quote es im österreichischen Film eigentlich braucht, beziehungsweise wie es um den Status quo bestellt ist. Und der ist nicht rosig: "Genderungerechtigkeit braucht kurz- bis mittelfristig Regulative. Von selbst tut sich nichts, wie der Genderbericht des Österreichischen Filminstitutes 2021 eindrücklich zeigt", findet Filmemacherin Sabine Derflinger. "Die Fakten, Daten und die daraus folgenden Einsichten sprechen für sich: Der eingeschlagene Weg für gezielte Gleichstellung muss konsequent weitergegangen werden." Die angesprochenen Fakten zeigen ein durchwachsenes Bild: Im Nachwuchsfilm wurde ein höherer Anteil der Projektanträge von mehrheitlich weiblichen Kernteams gestellt als im etablierten Filmschaffen. Gerade zu Karrierebeginn bekommen Frauen einen höheren Anteil der Förderzuschläge als später: 35 Prozent bei den Erstlingsproduktionen, im Vergleich zu nur 24 Prozent bei den etablierten Filmemacherinnen. Was auch damit zu tun hat, dass Frauen oftmals nicht in der Lage sind, den gewählten Beruf auch dauerhaft auszuüben.

"Systemische Barrieren"

"Der Grund, warum Frauen aus der Berufslaufbahn verschwinden, in der Fachwelt als Leaky-Pipeline-Phänomen bezeichnet, ist in der österreichischen Filmbranche noch nicht ausreichend erforscht. Untersuchungen aus Deutschland zeigen allerdings, dass Frauen am Weg in den etablierten Film zunehmend systemischen Barrieren begegnen und auf Karrieregrenzen stoßen", heißt es im Gender-Report des ÖFI.

Diese "systemischen Barrieren" werden auch ganz offensichtlich, wenn man sich den Budget-Anteil, den Frauen im Bereich Drehbuch, Regie oder Produktion erhalten: Gerade einmal 25 Prozent aller Fördermittel flossen an Projekte von Frauen. Das sind immerhin vier Prozent mehr als beim letzten Gender-Report von 2016, aber dennoch bekommen nur die männlich dominierten Filmprojekte die großen Fördersummen. "Nach wie vor gilt also: Je mehr Geld, desto weniger Frauen", heißt es im Report, der die Förderdaten von elf Förderstellen analysierte.

"Es geht nicht darum, Filme zu fördern, nur weil sie von Frauen gemacht werden. Es geht darum, eine klare strukturelle Benachteiligung von Frauen in den Fördergremien, den Filmjurys und bei der Bezahlung abzustellen. Daher bin ich für eine Fünfzig-Prozent-Quote in den österreichischen Fördergremien, dann können wir gern wieder über die Freiheit der Kunst reden", wird Josef Hader im Gender-Report zitiert.

Immerhin ist der Anteil der Frauen in etlichen wichtigen Filmberufen um insgesamt 19 Prozent gestiegen, was auch daran liegt, dass von Frauen geführte Produktionen häufiger auf Geschlechterparität bei den Mitwirkenden setzen. Auch inhaltlich gehen Frauen mit Frauenfiguren in ihren Filmen anders um, zeigen sie unabhängig und frei von Sexismen.

Um die Gleichstellung voranzutreiben, hat das ÖFI heuer eine Quote beschlossen, die eine 50/50 Verteilung aller Fördermittel der Herstellung, Projektentwicklung und Stoffentwicklung bis 2024 vorschreibt.