Als Franco Nero die Rolle seines Lebens spielte, da war er noch so jung, dass man ihm ein paar Fältchen schminkte, damit er etwas älter aussah. "Django" hieß der einsame Rächer, als der Nero 1966 Filmgeschichte schrieb. Unvergessen die Szenen, wie er etwa ganz in Schwarz gekleidet einen Sarg durch den Schlamm und über die Klippen zieht. Es war der Beginn einer jahrzehntelangen Karriere. Am Dienstag (23. November) wird der italienische Schauspieler 80 Jahre alt.

Das "Django"-Image ist der Italowestern-Held nicht mehr losgeworden, auch wenn sein darstellerisches Spektrum viel breiter ist. Geboren wurde der Mann mit den stahlblauen Augen 1941 als Francesco Sparanero in San Prospero in der norditalienischen Provinz Modena. Schon als Jugendlicher entdeckte er seine Leidenschaft für die Theaterbühne und übte sich als Laienschauspieler. Er begann ein Wirtschaftsstudium, das er nie abschloss, und arbeitete in Mailand als Buchhalter. Bei einem Besuch in den Cinecittà-Studios in Rom lernte er US-Regisseur John Huston (1906-1987) kennen, der ihm im Monumentalschinken "Die Bibel" 1966 die Rolle des Abel gab.

Das Genre Italowestern

Noch im selben Jahr gelang Nero unter Regisseur Sergio Corbucci (1927-1990) der internationale Durchbruch. "Django" - zu dem Namen hatte Corbucci Jazz-Gitarrist Django Reinhardt inspiriert - wurde neben der Dollar-Trilogie Sergio Leones (1929-1989) zu einem der bekanntesten und prägenden Filme des Genres Italowestern. Es folgten einige weniger bedeutende Western, die nur in den deutschen Fassungen aus Verkaufsgründen das Wort "Django" im Titel trugen. Die offizielle Fortsetzung des ersten "Django"-Films gab es erst 1987 mit "Djangos Rückkehr".

In der Zwischenzeit hatte Nero neben Western auch in etlichen Mafia-Filmen mitgewirkt. In Deutschland spielte er in "Querelle" unter Regisseur Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) und "Kamikaze 1989" mit Fassbinder als Co-Darsteller. An der Seite von Catherine Deneuve war er in Luis Buñuels "Tristana" zu sehen. Als einer der wenigen Schauspieler aus einem westlichen Land spielte Nero auch im damaligen Ostblock. In der UdSSR drehte er 1982 mit Regisseur Sergej Bondartschuk "Mexiko in Flammen" und "10 Tage, die die Welt erschütterten". "Kein Aufwand war der Sowjetunion dafür zu groß", schwärmte Nero 2008 in einem Interview der "Abendzeitung" von den Massenszenen mit tausenden von Komparsen.

Schon 1967 lernte Nero bei Dreharbeiten in den USA die Liebe seines Lebens kennen: die knapp fünf Jahre ältere britische Schauspielerin Vanessa Redgrave. Als Lancelot und Guinevere standen sie bei der Musicalverfilmung "Camelot" vor der Kamera, und binnen kurzem wurde aus der Filmpartnerschaft eine echte Romanze. Aus dieser entsprang 1969 der Sohn Carlo Gabriel, der später Regisseur und Drehbuchautor wurde. 1972 trennte sich das Paar, mehr als drei Jahrzehnte später fanden Franco und Vanessa wieder zusammen und heirateten 2006.

"Ich hatte schon immer Glück im Leben und eine wirklich schöne Kindheit in meiner Heimat Italien", sagte Nero 2019 in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung". Warum gerade "Django" so ein großer Erfolg wurde, kann Nero sich nach eigenen Worten bis heute nicht erklären, und es störte ihn auch manchmal, dass er immer wieder als solcher wahrgenommen wurde.

Einen Rächer ganz anderer Art verkörperte Nero 2019 in dem deutschen Film "Der Fall Collini" unter der Regie von Marco Kreuzpaintner nach einem Roman von Ferdinand von Schirach. Er spielt darin einen pensionierten italienischen Gastarbeiter, der 2001 einen Berliner Industriellen erschießt, weil dieser als SS-Mann im Zweiten Weltkrieg bei einem Massaker in seinem Dorf seinen Vater ermordet hatte.

Den runden Geburtstag feiert Nero dem Vernehmen nach fern von Rom. Er drehe vermutlich gerade wieder in den USA oder in Mexiko, heißt es aus seiner Pariser Künstleragentur. Im vorigen Jahr stand Nero in dem bisher noch nicht veröffentlichten Film "Django Lives!" (Django lebt) des deutschen Regisseurs Christian Alvart vor der Kamera. "In diesem Film zu spielen, bedeutet für mich, wieder jung zu werden", sagte er der Turiner Zeitung "La Stampa". (apa/dpa)