Wer zur Zeit des Nationalsozialismus homosexuell war, landete nicht selten im Konzentrationslager. Als die NS-Zeit zu Ende war und man die Häftlinge befreite, gab es das große Aufatmen. Nicht aber für Schwule, denn auch im Nachkriegsdeutschland blieb Homosexualität strafbar. Und so gerieten Leute wie Hans Hoffmann (Franz Rogowski) vom KZ direkt in die weitere Verwahrung im Gefängnis. Das lag am berüchtigten Paragrafen 175, der uneingeschränkt in Kraft blieb. Hans’ Zellengenosse Viktor (Georg Friedrich), ein verurteilter Mörder, will mit dem "Perversen" nichts zu tun haben, doch das ändert sich bald: Hans und Viktor werden zu engen Freunden, auch zu intimen Partnern. Und sie hegen füreinander bald so etwas, das man Liebe nennen könnte.

Preisgekröntes Drama

Regisseur Sebastian Meises Drama "Große Freiheit", das nun in unseren Kinos startet, wurde in Cannes im Juli mit dem Jurypreis der Sektion "Un certain regard" ausgezeichnet und gewann bei der diesjährigen Viennale im Oktober den renommierten Wiener Filmpreis. Dem Regisseur gelingt dank seiner vortrefflichen Besetzung großes Schauspielerkino, das von Blicken und leisen Gesten gespeist mit viel Feingefühl von seinem Thema erzählt. Eine eigene Rolle spielt dabei die Anmutung der Haftanstalt als Schauplatz: Auf engstem Raum entfaltet sich dort die Zuneigung zwischen den Protagonisten in Form einer reduzierten, aber darum umso intimeren Annäherung.