Noch weiß niemand so genau, ob und unter welchen Bedingungen der aktuelle Voll-Lockdown am 12. Dezember enden wird, aber die Signale stehen angesichts sinkender Infektionszahlen eher auf Grün. Ob das auch für die Kino- und Veranstaltungsbranche zutreffen wird - bislang ein Rätsel.

Aber Institutionen und Festivals müssen planen, und viele davon haben bereits ihre Konsequenzen aus der nicht immer so leicht nachvollziehbaren Corona-Politik der Regierung gezogen: So hat man im Vorfeld der 14. Ausgabe des International Human Rights Film Festival "this human world", das eigentlich von 2. bis 12. Dezember hätte stattfinden sollen, die Reißleine gezogen: "Wir waren bis vor kurzem noch durchaus optimistisch, das Festival in seiner ganzen Bandbreite in vier Wiener Kinos durchführen zu können. Aber aufgrund der massiv steigenden Infektionszahlen und gleichzeitig fehlender Maßnahmen und Kommunikation von Seiten der Bundesregierung sehen wir als Veranstalter die Sicherheit des Publikums, der Gäste und des Teams in der ursprünglich geplanten Veranstaltungsform nicht mehr gegeben", hieß es schon Mitte November von den Veranstaltern. Inzwischen hat man sich auf eine reine Online-Filmschau zurechtgestutzt, die außerdem auf eine Woche verkürzt wurde und noch bis 12. Dezember, komplett digital auf www.thishumanworld.com.

Schmerzliche Einschnitte

"Zwei Wochen vor Festivalstart grundlegende Änderungen und Streichungen vornehmen zu müssen, schmerzt nicht nur auf verschiedenen Ebenen unglaublich, sondern resultiert in unzumutbaren Arbeitsbedingungen und der Übertragung gesundheitspolitischer Verantwortung auf unabhängige Kulturbetriebe", so das Leitungs-Trio Lara Bellon, Lisa Heuschober und Michael Schmied. "Teile der bereits ausgearbeiteten Programme haben wir aufgrund der hohen Inzidenzen sowie fehlender politischer Reaktionen komplett abgesagt. Wir haben diese Entscheidung selbstständig getroffen, ohne zu wissen, welche Vorgaben und Einschränkungen uns mit Festivalstart erwarten werden." Das Festival will inhaltlich dennoch üppig sein. Aber es fehlt halt: die Leinwand.

Auch bei größeren, internationalen Events ist inzwischen wieder einen Gang zurückgeschaltet worden: So finden die diesjährigen "European Film Awards" zwar wie geplant am 11. Dezember in Berlin statt, werden jedoch als "distanziertes Live-Event neu gestaltet. Die aktuelle Situation zwingt uns, komplett in hybrider Form stattzufinden, wobei Nominierte und Preisträger in verschiedenen digitalen Formaten zusammenkommen, vorproduziert und live online", bedauert Geschäftsführer Matthijs Wouter Knol. "Im Moment ist es uns am wichtigsten, zu verhindern, dass Menschen quer durch Europa reisen und das Risiko für alle erhöhen."

Ähnlich denkt man auch beim wichtigsten Nachwuchs-Filmfestival im deutschsprachigen Raum, dem "Max Ophüls Preis" in Saarbrücken. Das Event von 16. bis 26. Jänner 2022 wird auf elf Tage ausgedehnt, dafür aber als dezentrales, hybrides Format ausgerichtet, das zwar weiterhin einen Fokus auf den Präsenzbetrieb hat, aber um einen Online-Teil ergänzt wird. Man wolle versuchen, "die notwendigen Kontaktbeschränkungen einerseits und die Wahrung des Kinos als Kulturort andererseits in Einklang zu bringen", so Festivalchefin Svenja Böttger.

Was die Berlinale angeht, die von 10. bis 20. Februar stattfinden soll, mehren sich Gerüchte, sie könne auf Juni verschoben werden.