Rom. Lina Wertmüller war in vielerlei Hinsicht ihrer Zeit voraus, das betrifft ihr Werk ebenso wie auch den Umgang damit. Immerhin war Wertmüller im Jahr 1975 die allererste Frau überhaupt, die die Oscar-Academy ins Feld der besten Regisseure vorstoßen ließ, als man sie in der Kategorie "Beste Regie" nominierte. Der Film dazu hieß "Sieben Schönheiten", und er erhielt noch drei weitere Nominierungen, ging am Ende aber leer aus.

Erst 1993 schaffte es wieder eine Frau in den Rang einer Oscar-Nominierten als beste Regisseurin, das war Jane Campion. Und erst 2010 wurde mit Kathryn Bigelow tatsächlich die erste Frau in dieser Kategorie prämiert. Wertmüller war sozusagen eine Wegbereiterin, eine Pionierin.

Die 1928 in Rom geborene Italienerin mit Schweizer Wurzeln hatte an der "Accademia d’arte drammatica" studiert, ehe sie die Theatergruppe Harlequin gründete, selbst erste Stücke schrieb und damit auf Tournee durch Europa ging. Ihre entschlossene Art und ihr Wille brachten ihr bald Jobs als Regieassistentin von Federico Fellini ein, mit dem sie 1963 "Achteinhalb" drehte. Schon ein Jahr später erschien ihre erste eigene Regiearbeit "Die Basilisken". Wertmüller verstand es früh, sich in der männerdominierten Filmwelt durchzusetzen und sich einen Namen zu machen. Ihren Durchbruch schaffte Wertmüller 1972 mit einer Serie von vier Filmen mit dem italienischen Schauspieler Giancarlo Giannini in der Hauptrolle, von denen der letzte eben "Sieben Schönheiten" war.

Der Film spielt zur NS-Zeit und erzählt eine Schelmengeschichte, eine Groteske, in der ein kleinkrimineller Herumtreiber aus Neapel versucht, das KZ zu überleben, indem er sich von einer gestrengen KZ-Aufseherin sexuell ausbeuten lässt.

Relevante Themen

Die Themen (sexuelle) Selbstbestimmung, Feminismus und Kommunismus sind zentrale Inhalte in Wertmüllers Arbeiten. Ihre Figuren sind fasziniert vom Feminismus und vom Kommunismus, die Bilder, die Wertmüller für ihre Geschichten fand, sind immer außergewöhnlich und von ihrer persönlichen Wahrnehmung geprägt. Schon früh spürte sie sozialen und politischen Entwicklungen im Alltag nach.

Zu ihren weiteren Filmen gehören "Mimi, in seiner Ehre gekränkt", der 1971 erschien, "Liebe und Anarchie", die Geschichte eines Provinz-Anarchisten, der in einem Bordell in Rom ein Attentat auf den Diktator Mussolini verschläft, "Blutfehde" und "Camorra". Daneben veröffentlichte Wertmüller auch zahlreiche Theaterstücke, die sich großer Beliebtheit erfreuten. 2019 schließlich überreichte man Lina Wertmüller einen Ehren-Oscar.

Ab 2000 drehte Wertmüller noch einige Filme mit der italienischen Kino-Legende Sophia Loren, darunter auch TV-Produktionen. Sie konnte später aber nicht mehr an ihre großen Erfolge von Mitte der 1970er Jahre anschließen. Ihr letztes Werk lief 2008 im Fernsehen: "Mannaggia alla misera". Im Jahr 2010 bekam sie den wichtigsten italienischen Filmpreis "David di Donatello" - für ihr Lebenswerk.

Am Donnerstag ist Lina Wertmüller im Alter von 93 Jahren in ihrer Wohnung in Rom gestorben.