Aretha Franklin hatte eine außergewöhnliche Kindheit. Ihr Vater war ein prominenter Pastor, in ihrem Heim waren Musikgrößen wie Ella Fitzgerald und Dinah Washington zu Gast. Ihre Mutter freilich lebte nicht in diesem Haushalt. Deswegen waren die Besuche bei ihr für das Mädchen, das schon in jungen Jahren in der Kirche des Vaters Gospels sang, besondere Höhepunkte. Die auch die musikalische Entwicklung Arethas stimulierten: So unterhielten sich die beiden singend am Klavier. Doch die Mutter stirbt überraschend, als Aretha gerade einmal 10 Jahre alt ist - die traumatisierte Tochter verstummt aus Trauer. James (Tituss Burgess), der Organist ihres Vaters, hat einen ähnlichen Draht zu dem hochmusikalischen Mädchen. Und er gibt ihr, die sich aus Kummer auch vom Singen abgewandt hat, einen Rat: "Musik wird dein Leben retten."

Das hätte auch der Titel des Biopics über das Leben der Soul-Gigantin sein können, der nun aber "Respect" heißt - wie jener Hit, der karriereprägend für Aretha Franklin war. Jennifer Hudson, selbst erfolgreiche R’n’B-Sängerin spielt Aretha Franklin, die ein paar Lebensjahre braucht, bis dieser Ratschlag von James bei ihr auch wirklich ankommt. Und dass es nicht allein die Musik ist, die ihr Balance bringt.

Die Seele fehlte

Der Film von Regisseurin Liesl Tommy ist eine durchaus konventionell gestrickte Biografie. Und sie hat das Pech, dass der Streamingsender Disney+ erst kürzlich eine ganz ähnliche Serie mit Cynthia Erivo in der Hauptrolle vom Stapel ließ, die beiden gleichen sich zumindest in den ersten Minuten doch verblüffend. "Respect" begleitet Aretha Franklin bei ihren ersten Schritten im Musikbusiness - ihr Vater konnte ihr zwar einen Vertrag mit einem großen Plattenlabel sichern, aber die Hits blieben aus - weil den Jazzstandards, die sie da sang, die Seele fehlte. Erst als ihr Dinah Washington (in einem kurzen, aber explosiven Gastauftritt: Mary J. Blige) den Kopf wäscht und ihr aufträgt, ihren ganz eigenen Weg zu gehen, geht ihr zum ersten Mal ein Licht auf.

"Respect" zeigt auch ein Leben, das von einem beständigen Bedürfnis nach Befreiung geprägt war. Erst vom Einfluss des Vaters (Forest Whitaker), dann vom Druck durch ihren gewalttätigen Mann Ted (Marlon Wayans). Aber nicht nur Männer waren es, die Franklin den Karriereweg verholperten, auch sie selbst stand sich mitunter im Weg. Der Film endet daher nicht mit ihrem großen Triumph, als sie - zusammen mit ihren Schwestern - Otis Reddings Song "Respect" umgemodelt (und mit einem typischen Spruch der Großmutter versehen) hat und vermeintlich ihren musikalischen Weg gefunden hat. Er zeigt sie noch in einer darauf folgenden schweren (Alkohol-)Krise, die unter anderem durch den Mord an Martin Luther King ausgelöst wird.

Um dann endlich zu demonstrieren, wie Musik wirklich Aretha Franklins Leben gerettet hat. Aber nicht nur die - sondern die richtige Mischung aus Kunst und Glauben. Die letzte Station in "Respect" ist die Aufnahme ihres herausragend erfolgreichen Gospelalbums in der Kirche ihres Vaters. An ihrer Seite: der weise James.