Eine Forscherin mit rot gefärbter Vokuhila-Frisur und ihr verschrobener Kollege mit dem Ziegenbärtchen machen eine beunruhigende Entdeckung: Ein Komet in der Größe des Mount Everest rast durch das All und steuert direkt auf die Erde zu. Wenn er in zirka fünf Monaten einschlagen wird, bedeutet das nichts anderes als die Auslöschung der gesamten Menschheit.

Die Präsidentin (Meryl Streep) und ihr handtaschentragender Sohn (Jonah Hill) glauben den Wissenschaftern (Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence) nicht wirklich. 
- © Netflix

Die Präsidentin (Meryl Streep) und ihr handtaschentragender Sohn (Jonah Hill) glauben den Wissenschaftern (Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence) nicht wirklich.

- © Netflix

Diese Hiobsbotschaft an die Verantwortlichen zu bringen, ist für die zwei Wissenschafter alles andere als einfach, aber das liegt nicht nur an ihrem Äußeren. Denn Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence) und Dr. Randall Mindy (Leonardo DiCaprio) sehen sich mit allerlei Hindernissen konfrontiert, die den Ernst ihrer Aussagen unterlaufen.

Da ist zum Beispiel die US-Präsidentin (wunderbar machtgeil: Meryl Streep) höchstselbst, die die schlechten Nachrichten lieber bis nach den "Mid-Terms" vor ihrem Wahlvolk verbergen möchte. Dem stimmt auch ihr gut abgerichtetes Söhnchen Jason (Jonah Hill), der Stabschef und Handtaschenträger von Madame President, energisch zu. Bloß keine Panik bei den Wählern!

Auch im TV läuft es mau

Aber auch die Moderatoren der landesweit beliebtesten und reichweitenstärksten Infotainment-Sendung, Brie Evantee (Cate Blanchett) und Jack Bremmer (Tyler Perry). nehmen Mindy und Dibiasky nicht wirklich ernst, weil in dieser Sendung die Trennungsgeschichte eines Popstars (selbstironisch: Ariana Grande) einfach sensationsträchtiger ist. Die Sache erhält eine eigene Dynamik, als Dr. Mindy mit Moderatorin Brie eine Sexaffäre beginnt, die ihrerseits davon motiviert ist, ihren Fetisch für schlechte Nachrichten ausleben zu können.

Zum Glück gibt es einen Heilsbringer in Gestalt des Mobilfunkers Peter Isherwell (Mark Rylance), einer Tim-Cook-Steve-Jobs-Parodie mit Allmachtsfantasien, die den Kometen mit Sprengstoff terminieren will, den von ihr entwickelte Drohnen platzieren sollen. Wenn das nur gut geht!

Alles ein bisschen viel in diesem Netflix-Film: Nicht nur die absurd-tragische Handlung, sondern auch die opulente Besetzung lassen vermuten, dass Regisseur Adam McKay "Don’t Look Up" als satirische Antwort auf die Corona-Pandemie formuliert hat; weit gefehlt: Das Projekt wurde bereits 2019 angekündigt, ist aber inzwischen von der Realität zumindest eingeholt worden. Ironischerweise hilft die Pandemie dabei, "Don’t Look Up" als ausufernde Farce zu verstehen. Ohne eine weltweite Bedrohungslage wie Corona hätte man den Film leicht als giraffenhalslange Übertreibung eines Filmemachers abtun können, der schon bisher ein Meister der Zuspitzung war, mit deren Hilfe er 2016 völlig zu Recht den Drehbuch-Oscar für "The Big Short" über die Abgründigkeit der Finanzkrise gewann.

Klischee, kein Klischee

Man hätte McKay die zuweilen holzschnittartige Übertreibung in der Darstellung einer korrupten Polit- und Medienwelt wohl angesichts seines All-Star-Casts verziehen, aber die Pandemie zeigt: Jedes Klischee, das McKay in "Don’t Look Up" in satirischer Weise bemüht, ist im echten Leben genau das nicht: ein Klischee. Wer hätte gedacht, dass dieser Plot so nah dran ist an der Realität, die wir tagtäglich unter Kopfschütteln erleben müssen?

Das macht aus "Don’t Look Up" noch kein Meisterstück, denn das Script hat durchaus Schwächen; auch diese bügelt der prominente Cast weitgehend aus. Und hält launige Momente parat: Wenn etwa Madame President am Ende in einer anderen Ecke der Galaxie in das Gesicht eines bunten Dinosauriers blickt, dann denkt der pandemiegeplagte Zuschauer für den Bruchteil einer Sekunde, dass es doch Gerechtigkeit gibt. Halt nicht auf dieser Welt.