"Rose!" Wie oft riefen Beatrice Arthur als Dorothy Zbornak und Rue McClanahan als Blanche Devereaux) den Namen der Serienfigur verzweifelt aus, wenn Betty White in ihrer Rolle als Rose Nylund wieder einmal etwas besonders Dummes von sich gegeben hatte, während Estelle Getty als zynische Sizilianerin Sophia Petrillo sich einen Sport daraus machte, sich über die Mitbewohnerin lustig zu machen. Ihre Auftritte in den 180 Episoden der Kult-Sitcom "Golden Girls" (1985 bis 1992) haben Betty White auch im deutschsprachigen Raum berühmt gemacht.

In der Nacht auf Freitag ist die Schauspielerin nun 99-jährig gestorben, wenige Wochen vor ihrem wie die US-Magazine "People" und "Deadline" unter Berufung auf ihren Manager Jeff Witjas berichten. Damit ist nach Estelle Getty(2008), Beatrice Arthur (2009) und Rue McClanahan (2010) auch das letzte "Golden Girl" tot. Dabei hätte White zu ihrem 100. Geburtstag am 17. Jänner eigentlich noch eine TV-Sondersendung geschenkt bekommen sollen. In "Betty White: 100 Years Young - A Birthday Celebration" sollten Stars wie Ryan Reynolds, Robert Redford und Jennifer Love Hewitt gratulieren, wie US-Medien im Vorfeld berichtet hatten. "Eine Party mag ja wohl jeder - und diese hier wird großartig", sagte White noch dem Nachrichtensender CNN.

Selbst US-Präsident Joe Biden twitterte bereits zu ihrem Ableben: "Betty White hat Generationen von Amerikanern ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Sie ist eine kulturelle Ikone, die wir schmerzlich vermissen werden."


"Ich habe jede Minute geliebt"

Schon Ende der 30er Jahre hatte Betty White ihren ersten Fernsehauftritt, direkt nach der High School, inzwischen steht ihr Name im "Guinnessbuch der Rekorde" als TV-Entertainerin mit der längsten Karriere. "Da steckt kein Geheimnis dahinter", sagte sie dazu einmal. "Ich bin einfach nur glücklich, dass ich die Karriere haben konnte, die ich hatte. Ich habe jede Minute geliebt." Mit der Arbeit hat White nie aufgehört, selbst schaute sie allerdings wenig Fernsehen oder Filme, wie sie sagte: "Ich bin zu beschäftigt." 

Bis ins hohe Alter war die Schauspielerin mit dem charakteristischen weißhaarigen Großmutter-Look und schlagfertigen Humor fit, fröhlich und neugierig geblieben. Mit 90 Jahren setzte sie ihre erste Twitter-Botschaft ab, mit 93 entdeckte sie Instagram für sich, und zum 95. Geburtstag wünschte sie sich eine Neuauflage der "Golden Girls".

Während ihre Serienfigur Rose im beschaulichen St. Olaf in Minnesota (den Ort gibt es tatsächlich) aufgewachsen ist, wurde White 1922 im US-Staat Illinois geboren. Sie war dreimal verheiratet, blieb aber kinderlos, arbeitete auch als Produzentin und wurde mit dutzenden Preisen ausgezeichnet, darunter zahlreichen Emmys. "Die Menschen sind mit mir aufgewachsen, sie haben Kinder bekommen, und die sind mit mir aufgewachsen", sagte die Schauspielerin einmal dem britischen "Guardian". "Sie denken dann einfach, dass du dazu gehörst."

Bis zuletzt zeigte sich White fit, fröhlich und neugierig sowie trotz aller Erfolge bescheiden. Im Interview mit der Zeitschrift "People" anlässlich ihres 99. Geburtags , in dem sie sich als "mit guter Gesundheit gesegnet" bezeichnete, meinte sie, wichtig sei "ein Sinn für Humor, die positive Seite sehen und nicht zuviel über die negative Seite nachdenken, das nimmt zu viel Energie weg". Und sie bekannte: "Ich gehe nicht gerne schick essen", sagte sie einmal dem Magazin "Parade". "Ich mag einfache Sachen, Hot Dogs, Hamburger, Pommes, keine Gewürze oder Soßen. Süße Sachen mag ich auch nicht besonders, außer Schokoriegel und den Zitronen-Baiser-Kuchen meiner Freundin."

Ob sie sich also seinerzeit zum traditionellen mitternächtlichen Käsekuchen zwingen musste, den die "Golden Girls" stets gemeinsam verdrückten, wenn ihnen wieder einmal etwas auf den Magen geschlagen hatte? Übrigens hätte die Rollenverteilung in der Serie eigentlich ursprünglich eine andere sein sollen. Denn White, die ab 1970 in der "Mary Tyler Moore Show" die männertolle Sue Ann Nivens gespielt hatte, hätte auch bei den "Golden Girls" den Männerschreck Blanche spielen sollen - so wie McClanahan, die in der "Mary Tyler Moore Show" ein Dummerchen gegeben hatte, als traudoofe Rose vorgesehen war. Doch dann fanden Produzenten einen Rollentausch spannender und besetzten die beiden gegengleich.

Über ihre Rolle bei den Golden Girls sagte White an ihrem 99. Geburtstag: "Nun bin ich also die letzte Überlebende, und das ist so eine Ironie, denn ich war die Älteste von uns Vieren. Ist das nicht absurd?" (apa/dpa/red)