Er wirbelt mit Pirouetten auf einem runden Goldtisch, dabei hat er noch dazu einen Säbel in der Hand. "Kalinka" tönt es bedrohlich. Dann folgt ein Luftsprung wie im Kasatschok runter vom Tisch, mehrere schnelle Drehungen hintereinander auf die Kamera zu, und weiter geht der Kampf ums Überleben zwischen Rasputin (Rhys Ifans), Conrad (Harris Dickinson) und Orlando Oxford, Duke of Oxford (Ralph Fiennes). Dazwischen eine Sequenz von Sprüngen, in denen sich der ansonsten gefährlich wirkende russische Wanderprediger in der Luft um sich selbst dreht, die doppelte Tour en l’air der hohen Kunst des Balletts. Man ist ja an einer der Geburtsstätten der Tanzkunst, nämlich am Hof des Zaren Nikolaus II. (Tom Hollander), der von Rasputin zugunsten einer mysteriösen Terrororganisation gegängelt wird. An rasanten choreografischen Hochleistungskämpfen, Überraschungen und auch Gags fehlt es in "The King’s Man - The Beginning" keinesfalls. Diese Ballett-Kampfszene des zotteligen Mönchs Rasputin ist sicherlich ein Höhepunkt des Films.

Raffiniertes Netzwerk an Agenten weltweit

Nach "Kingsman: The Secret Service" (2014) und "Kingsman 2: The Golden Circle" (2017) setzt man mit dem altbewährten Regisseur Matthew Vaughn anstelle eines dritten Teils nun auf ein Prequel, in dem einmal mehr kriminelle Schurken der Menschheitsgeschichte gemeinsam einen Plan schmieden, um mit einem angezettelten Krieg - es ist übrigens das Jahr 1917 - Millionen Menschen weltweit auszulöschen. Nur Orlando Oxford und sein Sohn Conrad sowie ihre Mitstreiter Polly (Gemma Arterton) und Shola (Djimon Hounsou) können im Wettlauf gegen die Zeit versuchen, das Böse aufzuhalten. Oxford hadert nach dem Tod seiner Frau Emily (Alexandra Maria Lara) stark mit sich, seinen Sohn Gefahren auszusetzen. Doch Conrad hat seine eigenen Ideen, seinem Land zu dienen. Ein raffiniertes Netzwerk an Agenten steht den Kämpfern für das Gute zur Verfügung. Et voilà: Der von britischen Gentlemen geführte Spionage-Geheimbund wird aus der Traufe gehoben.

Der zottelige Rasputin (Rhys Ifans) mit seinen beiden Gespielinnen. - © Twentieth Century Fox / Peter Mountain
Der zottelige Rasputin (Rhys Ifans) mit seinen beiden Gespielinnen. - © Twentieth Century Fox / Peter Mountain

Auch im dritten Film der Reihe setzt man auf zahlreiche Stars. Neben den bereits erwähnten ist Daniel Brühl als der spätere Hellseher der Nazis Erik Jan Hanussen und Valerie Pachner als tänzerische Superspionin Mata Hari zu sehen. Und Tom Hollander verkörpert gleich drei Rollen: George V., Wilhelm II. und Nikolaus II., die hier drei Cousins sind, die gegeneinander aufgehetzt werden. Historie wird in diesem Film vereinfacht - das ist einer der Schwachpunkte. Ebenfalls die Szene am Schlachtfeld, die einerseits extrem brutal, sodass man sich emotional distanziert oder gar wegsieht, und andererseits deplatziert wirkt.

Vaughn packt in diesen Film ein Übermaß an Plot und Stars. Nach 131 Minuten jedoch lässt die dichte Geschichte keine Minute Langeweile zu. Fans der ersten beiden Teile werde auch an diesem Prequel ihre Freude haben. Übrigens: Beim Abspann dranbleiben!