Das isländische Mystery-Drama "Lamb" kommt mit zwei großen Empfehlungen ins Kino. "Lamb" ist einer von 15 Kandidaten, die es auf die Oscar-Shortlist für den besten internationalen Film geschafft haben. Und beim Festival Cannes gab’s einen Preis für besondere Originalität. Dieses Attribut trifft das Wesen des Werks sehr präzise, denn in seinem Zentrum steht ein Fabelwesen: eine Mischung aus Mensch und Schaf.

Schauplatz ist eine Farm in der Einöde der abweisenden, magischen Landschaft Islands. Dort geht das Schafzüchter-Paar Maria (Noomi Rapace) und Ingvar (Hilmir Snær Guðnason) wortkarg, aber zufrieden seiner Tätigkeit nach. Es ist gerade Saison für schäfischen Nachwuchs. Ein Lämmlein nach dem anderen kommt zur Welt. Dann geschieht ein Wunder. Eines der Neugeborenen hat zwar den Kopf eines Schafes, doch den Körper eines Menschen. Maria und Ingvar verständigen sich ohne Diskussion, was zu tun sei. Sie geben dem Wesen einen Namen, Ada, und ziehen es wie eine Tochter groß.

Anders als die Protagonisten auf der Leinwand rätselt das Publikum natürlich pausenlos, was es mit Ada auf sich hat. Findige Strategen kamen auf die Idee, dem Film das Etikett Horror anzukleben, aber das ist Etikettenschwindel. Jedes Grimm-Märchen hat mehr Schrecken zu bieten als diese sonderbare Alltagsgeschichte, die sich an die isländische Sagenwelt mit ihren mysteriösen Gestalten anlehnt.

So kann man den Film als Parabel über Mensch und Tier oder Mensch und Natur interpretieren - aber auch als wunderbar gespielte und wunderschön fotografierte Nichtigkeit aus dem Filmkunstladen (Regie Valdimar Jóhansson). Der Rezensent neigt zu letzterer Ansicht.