Bradley Cooper und Cate Blanchett, Willem Dafoe und Rooney Mara: Beim Thriller-Drama "Nightmare Alley" reicht ein Blick auf die Besetzungsliste, um zu wissen, dass man es mit einem Luxusprodukt des Hollywood-Kinos zu tun hat. Regisseur Guillermo del Toro, der 2018 mit "The Shape of Water" vier Oscars einsammelte (unter anderem für die beste Regie und den Film des Jahres), wagte sich an die Neuverfilmung eines düsteren Romans von William Lindsay Gresham aus dem Jahr 1946.

Wenn der Mensch Trost und Erlösung sucht, will er nur allzu oft betrogen sein - so könnte das Leitmotiv von "Nightmare Alley" lauten. Im Zentrum steht ein anfangs zielloser Charakter namens Stanton Carlisle (Bradley Cooper). Nachdem er die Brücken zu seiner Vergangenheit abgebrannt hat, heuert er beim Zirkus des schmierigen Impresarios Clem Hoately (Willem Dafoe) an. Dort findet dieser Stan seine wahre Berufung. Als Mentalist, der die Leute mit faulen Tricks hinters Licht führt.

Stan lernt vom Illusionisten-Paar Zena & Pete (Toni Collette & David Strathairn), wie man mit geheimen Codes beim staunenden Publikum den Eindruck erwecken kann, hellseherische Fähigkeiten zu besitzen. Hat jemand Fragen zu seinem Beruf, seinem Lebensmenschen oder seinem Schicksal? Die manipulativen Antworten perlen nur so dahin. Und werden geglaubt.

Versuchung ist Gefahr

Stan becirct seine Geliebte, die Zirkus-Schönheit Molly (Rooney Mara), mit ihm eine ähnliche Nummer zu entwickeln. Die beiden übersiedeln nach New York und werden zur High-Society-Attraktion. Alles könnte so schön sein. Doch dann betritt die verruchte Psychologin Lilith Ritter (Cate Blanchett) die Bühne. Stan erliegt ihrem Charme. Und man ahnt: Wo die Versuchung wohnt, dort lauert nur allzu oft auch die Gefahr.

"Nightmare Alley", angesiedelt in den 1920er Jahren, hat den Charakter eines Film noir. Der dänische Kameramann Dan Laustsen, mit Guillermo del Toro schon bei "The Shape of Water" aktiv, bebildert die bedrohliche Story mit düster betörenden Farben. Obendrein sorgt Guillermo del Toro mit gediegener Regie-Arbeit dafür, dass auch die Darsteller in dunklem Glanz erstrahlen. Mit Oscar-Nominierungen darf gerechnet werden.

Dies gilt voran für Bradley Cooper, der einmal mehr nachweist, dass er nicht nur als Komödiant ("Hangover"), sondern auch als Charakterdarsteller in der ersten Liga spielt. Sein Stan Carlisle ist ein rauer Mann von herber Verführungskraft. Zugleich ist er ein unfroher Betrüger, der das materielle Glück zwar erzwingen, aber nicht genießen kann.

Die Rolle des Vamps Lilith Ritter ist mit der divenhaft-unterkühlt agierenden Cate Blanchett natürlich optimal besetzt. Toni
Colette und David Strathairn liefern als sinnlich-melancholisches Schausteller-Pärchen feine Charakterstudien ab. Rooney Mara als Molly elektrisiert nicht nur dann, wenn sie sich im Zirkus in einem faradayschen Käfig blitzenden Stromstößen aussetzt.

Viel Großartiges also - und trotzdem wurde "Nightmare Alley" beim US-Kinostart zum donnernden Flop. Das mag zum Teil an der Corona-Kino-Krise liegen, viel mehr aber an einem Konstruktionsfehler des Films: Das Drama bietet zwar eindrucksvolle Schurkencharaktere auf, aber keine einzige positive Figur, mit der man sich identifizieren möchte. Die Folge: Nach 150 opulenten Filmminuten verlässt man das Kino beeindruckt, doch emotional weitgehend unberührt.