"Der schönste Tag" ist der sarkastische Titel eines ganz und gar nicht sarkastischen Films. Regisseur Fabian Eder widmet sich der Mitverantwortung Österreichs für die Verbrechen der Nazis. Die Dokumentation beginnt mit Ausschnitten aus Adolf Hitlers berüchtigter Wiener Rede 1938 auf dem vor "Sieg, Heil"-Rufen bebenden Heldenplatz. Sie endet mit der berühmten Rede Franz Vranitzkys 1991, in der Österreichs Kanzler die Mitschuld des Landes einbekannte. Dazwischen gibt es viele berührende Reflexionen von Zeitzeugen; von jüdischen KZ-Überlebenden genauso wie von Mitläufern des Regimes. Gerhard Kastelic - Sohn eines von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers und Ex-Direktor des Wiener Flughafens - bringt das Thema auf den Punkt: "Der Staat Österreich war ein Opfer. Doch viel zu viele Österreicher waren Täter."

Zwei Blickwinkel

Die Doku nähert sich ihrem Zentrum von zwei Blickwinkeln. Zunächst geht’s um die Neugestaltung des Österreich-Pavillons im ehemaligen KZ Auschwitz. Nationalfonds-Generalsekretärin Hannah Lessing und Schriftsteller Doron Rabinovici kommen zu Wort. Seine volle Kraft entfaltet der gelegentlich spröde Film aber bei den subjektiven Erzählungen jener Interviewpartner, die die Diktatur selbst miterlebt haben: auf der einen Seite viel Leid, auf der anderen viel Verdrängung. Am eindrücklichsten sind die Sätze des Mauthausen-Überlebenden Aba Lewit: "Als das Lager befreit wurde, sagte man uns: ,Geht.‘ Aber die Türen der Österreicher waren verschlossen."