Es gab Zeiten, da kam kaum eine "Seitenblicke"-Ausgabe ohne eine Party bei Karl, damals noch Carl Spiehs aus. Der TV-Produzent hatte schließlich die prominentesten Gäste: Vom Wiener Bürgermeister Helmut Zilk abwärts, mit Auftritten von Udo Jürgens und Anna Netrebko abwärts. Eigentlich wollte es Spiehs auch zu seinem 100er "noch einmal richtig krachen lassen", zumal sein 90er im Vorjahr ja von Feierverderber Corona verhunzt wurde. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Der Mann, der den Wörthersee mit seiner Schloss-Serie zum TV-Sehnsuchtsort adelte, ist am Donnerstag gestorben.
"Er hat die Kritiker zum Weinen und die Leute zum Lachen gebracht.", hat Thomas Gottschalk einmal gesagt. Der durfte das, immerhin war Spiehs für seinen einzigen großen Filmerfolg, "Die Supernasen" verantwortlich. Daran sieht man schon, dass Spiehs eher für die leichte Muse zuständig war.

Das beweisen auch Filme mit Titeln wie "Musik, Musik, da wackelt die Penne" oder "Wenn die tollen Tanten kommen", für den sich Rudi Carell und Ilja Richter in Frauenkleider schmissen. Der gebürtige Niederösterreicher Spiehs hat über fünf Jahrzehnte die heimische TV-Landschaft geprägt. Unter anderem eben mit dem "Schloß am Wörthersee", das damals Anfang der 90er Schlagersänger Roy Black ein dringendes Comeback ermöglichte.

Filmproduzent Karl Spiehs mit charakteristischem Zigarillo. 
- © ainer Gregor Eckharter / RS / apa

Filmproduzent Karl Spiehs mit charakteristischem Zigarillo.

- © ainer Gregor Eckharter / RS / apa

Hans Moser im Elterngasthof

Geboren wurde Karl Spiehs am 20. Februar 1931. Bereits in Jugendjahren kam er mit der Welt der Bühne in Berührung. Als Teenager veranstaltete er im elterlichen Gasthof in der Stadtgemeinde Ternitz kleinere Konzerte und Lesungen, für die er unter anderem Paul Hörbiger und Hans Moser engagieren konnte. Im Renaissancetheater für die Löwingerbühne und in der Musikaufnahmeleitung der Wiener Stadthalle sammelte der junge Spiehs weitere Erfahrungen, in den 1950er-Jahren arbeitete er als Assistent von Franz Antel.

Mitte der 1960er-Jahre gründete Spiehs zunächst seine eigene Produktionsfirma Intercontinental Film, bevor mit dem Einstieg bei der von Paul Löwinger in München gegründeten und bis heute bestehenden Produktionsfirma Lisa Film, deren Alleineigentümer er später wurde, sein endgültiger Karriereaufstieg begann. Film- und Serienhits wie "Immer Ärger mit den Paukern", "Die Supernasen", "Wenn die tollen Tanten kommen", "Ein Schloss am Wörthersee", "Klinik unter Palmen" oder "Der Pfundskerl" entstanden. Die darin auftretende Starparade reichte von Roy Black und Uschi Glas über Thomas Gottschalk und Mike Krüger bis hin zu Ottfried Fischer.

Hang zu Trash und Klamauk

Dass harmloser Klamauk mit Hang zum Trash zum großen Teil sein Metier waren, daraus machte Spiehs, der weit mehr als 300 Kino- und TV-Produktionen verantwortete, selbst kaum je einen Hehl. Er habe "keinen Bildungsauftrag", sondern wolle "Unterhaltung produzieren", erklärte er einmal in einem Interview. Wenn er sich Seriöserem verschrieb, war das aber auch oft mit Enttäuschung verbunden: So produzierte er 1973 mit großem Aufwand Schnitzlers "Reigen" in der regie von Otto Schenk, ein Flop, der ihn nachhaltig schmerzte. 2003 und 2004 produzierte er die erfolgreiche Verfilmung von Henning Mankells Buch "Die Rückkehr des Tanzlehrers" mit Tobias Moretti und Veronica Ferres.

Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb wurde der Jubilar mit einer Reihe von Preisen geehrt, darunter das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien 2002, die Platin-Romy für sein Lebenswerk 2015 und das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 2018.  (cb/apa)