Seit November leiten Schauspielerin Verena Altenberger und Regisseur Arash T. Riahi ehrenamtlich die Akademie des Österreichischen Films, die jährlich den Österreichischen Filmpreis vergibt, heuer wieder am 30. Juni. Ähnlich dem US-Vorbild der Oscar-Academy setzt sich die Akademie aus Mitgliedern der Filmbranche zusammen, die gemeinsam die Preisträger ermitteln. Bisher leiteten Ursula Strauss und Stefan Ruzowitzky die Akademie, unter der neuen Führung will man sich deutlich breiter aufstellen, wie eine Online-Veranstaltung für die Mitglieder zeigte: "Die Aufgaben der Akademie sollen schrittweise ausgeweitet werden", sagt Riahi. Es gehe dabei um viel Einsatz bei Filmvermittlung an den Schulen, aber auch um die Verbesserung der Ausbildung von Filmberufen in Österreich.

Wozu das alles? Das österreichische Filmschaffen steht am Vorabend der Berlinale im Februar international doch ziemlich gut da: Bei Festivals räumt man regelmäßig Preise ab, etwa gerade erst in Saarbrücken mit "Moneyboys". In Berlin gibt es die Weltpremiere von Ulrich Seidls neuem Spielfilm "Rimini". Und auch in Cannes und Venedig stehen heimische Filme hoch im Kurs.

Verena Altenberger will für den Film lobbyieren. - © apa / B. Gindl
Verena Altenberger will für den Film lobbyieren. - © apa / B. Gindl

Allein: Daheim will man sie nicht so richtig sehen, Besucherzahlen stagnieren seit Jahren. "Der österreichische Film ist eine Weltmarke", sagt Verena Altenberger. "Überall wird er gefeiert, nur in Österreich ist das noch nicht angekommen. Ich stelle mir vor, dass der heimische Film die nächste Wintersportindustrie wird: Wir könnten stolz darauf sein, wie auf die Skifahrer. Nationalstolz ist mir an sich völlig fremd, aber beim österreichischen Film würde ich ihn gerne ankurbeln".

Netzwerk und Lobby

Arash T. Riahi will Nachwuchsförderung. - © apa / H. Pfarrhofer
Arash T. Riahi will Nachwuchsförderung. - © apa / H. Pfarrhofer

Die neuen Akademie-Chefs wollen deshalb vor allem das Netzwerken in der Branche stärken, mehr für den heimischen Film lobbyieren und auf das Miteinander der Branche setzen, die sie repräsentieren. Nicht immer laufen da die Beziehungen friktionsfrei, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

Wenn man künftig wieder an einem Strang ziehen will, muss man die eigene Interessenvertretung stärken. "Deshalb wollen wir auch neue Mitglieder zu den bisherigen 600 dazugewinnen", sagt Riahi. Ziel sollte eine Organisation sein, "in der man sein Ego zu Seite geben kann und nicht nur für eine Berufsgruppe lobbyiert". Die Akademie stünde schließlich für alle Bereiche, vor wie hinter der Kamera. Auch das Abhalten von Veranstaltungen, etwa Fortbildungen, sei ihm wichtig.

Akademie-Geschäftsführerin Katharina Albrecht-Stadler unterstrich dann auch noch die Bemühungen, zusammen mit Bildungs- und Kulturministerium das Thema Film im Lehrplan zu verankern, "und zwar nachhaltig", sagt sie. "Also eine Auseinandersetzung mit Film, die über den klassischen Weihnachtsfilm in der Klasse hinausgeht".

Von einem neuen Nachwuchs-Fördertopf träumt indes Riahi: Da sollen Erstlingsarbeiten von jungen Filmemachern mit Summen um die 900.000 Euro pro Film gefördert werden (reguläre heimische Filme kosten in etwa das Doppelte und mehr). "So könnten mehr Jungtalente Filme produzieren, aber auch erfahrene Regisseure könnten bei solch schmal budgetierten Projekten überwiegend Nachwuchs aus allen Sparten beschäftigen", sagt Riahi. Das Fazit der Veranstaltung ist - neben der Forderung von mehr Fördergeldern - auch an die eigene Branche gerichtet. Altenberger: "Miteinander reden ist das Allerwichtigste in der Filmbranche."