Vor ein paar Tagen noch, da hat Nicolas Cage einmal ein Schwein gehabt. Also, besser gesagt: Seine Filmfigur Rob hatte eines. Ein ziemlich cleveres sogar, und süß hat es obendrein ausgesehen. So mit vielen Borsten und Kindchenschema, drollig, liebenswürdig, fast zum Knuddeln!

Was man vom desillusionierten Rob gar nicht sagen kann: Er lebt mit dem Schweinchen abseits der Zivilisation in völliger Einöde, tief in den Wäldern von Oregon; was klar ist, denn dort sucht seine Sau die wertvollen Trüffel, die ihm sein Überleben sichern, weil er sie in die Großstadt verkauft. Eines Abends kommt ihm das Trüffelschwein aber abhanden, denn Bösewichte aus der Stadt haben die Sau entführt!

Was hier so ulkig-komisch klingt, ist es freilich nicht: Denn "Pig", das Debüt von Michael Sarnoski, ist die düstere Visitenkarte eines Regisseurs, der noch von sich Reden machen wird; aber die Synopsis des Dramas rund um ein Trüffelschwein, das man seinem tattrigen Herrchen wegnimmt, darf schon ein wenig sarkastische Ironie in der Beurteilung hervorrufen.

Aber werden wir wieder ernst. Rob bricht mit seinem Stammkunden Amir (Alex Wolff) nach Portland auf, um den Trüffelschweindieb ausfindig zu machen. Doch halt: Das sich ankündigende Revenge-Movie findet dann eher nicht statt - dafür sind die Protagonisten in Einöde wie Großstadt viel zu wortkarg, und überhaupt entspinnt sich bald eine Art Sinnsuche, verwoben mit lange zurückliegenden Ereignissen und wieder aufbrechenden Wunden. Rob war dereinst einmal ein experimentierfreudiger Chefkoch in Portland, der mit den heute dort eröffneten Snob-Food-Tempeln nur allzu gern Schlitten fährt. Rob weiß genau, warum er damals die Küchenschürze gegen die Trüffelsau getauscht hat.

Adieu, Over-Acting!

Bald kommt der bisher schon nicht schwungvolle "Pig" endgültig ins Stottern: Eine sehr persönliche Geschichte bringt den Film auf eine andere, eine familiäre Spur, was der Dramatik nicht unbedingt guttut; immerhin aber darf Cage, zuletzt immer wieder durch sein 120-prozentiges Over-Acting negativ aufgefallen, im Part des schweigsamen Rob zeigen, dass er seinen Beruf noch kann. Es ist schließlich auch nicht einfach, in gefühlt 20 verschiedenen Facetten den Satz "I want my pig!" zu sagen. Einmal sogar großräumig ummantelt von Mozarts "Requiem". Das wirkt.

Man täte "Pig" allerdings unrecht, den Film auf die (zunächst) schrullige Grundidee zu reduzieren. Visuell entfesselt Sarnoski eine grob-schaurige (Unter-)Welt, in der Cage als der verwahrloste Rob raubeinig aufspielen kann. Das Tempo ist hier bewusst und effektiv gedrosselt, sodass man sich auf diese entschleunigte Art der Revenge-Story erst einmal einlassen muss.

"Pig" lässt Cages Theatralik keinerlei Raum, und das tut dem Schauspieler sichtlich gut. Aber ob Rob sein geliebtes Trüffelschwein wiederfinden wird, das bleibt lange unklar. Er ist schon eine arme Sau.