Jane Campions Westerndrama "The Power of the Dog" ist der große Favorit bei der heurigen Oscar-Verleihung. Die Romanverfilmung brachte es auf insgesamt zwölf Nominierungen, darunter für die prestigeträchtigen Sparten Bester Film, Beste Regie und Bester Hauptdarsteller. Dahinter folgte das Science-Fiction-Drama "Dune" von Regisseur Denis Villeneuve mit zehn Gewinnchancen, wie am Dienstag bekanntgegeben wurde. Leider nichts wird es mit neuerlichen Oscar-Ehren für Österreich.

Denn Sebastian Meises Drama "Große Freiheit" schaffte es letztlich nicht unter die fünf für die Sparte "International Feature Film" nominierten Werke. Hier treffen "Drive My Car" (Japan), "The Hand of God" (Italien), "Flee" (Dänemark), "Lunana" (Bhutan) und "Der schlimmste Mensch der Welt" (Norwegen) aufeinander. Ebenfalls leer ausgegangen ist das Wiener Filmemacherduo Benji und Jono Bergmann, das mit "Camp Confidental" Chancen auf eine Nennung als Beste Kurzdokumentation hatte.

"Dune" wird Ruf gerecht

Das Favoritenfeld für die Academy Awards ist unterdessen relativ zugespitzt: Campions für Netflix produzierte Romanadaption über eine schwierige Familienbeziehung im Montana des Jahres 1925 wurde quasi in allen wesentlichen Sparten Hoffnungen genannt, die Neuseeländerin selbst schaffte es zudem zum zweiten Mal in die Regie-Sparte - 1994 konnte sie für "Das Piano" allerdings nur den Preis für das beste Originaldrehbuch entgegennehmen. Zudem gibt es mit Benedict Cumberbatch (Hauptdarsteller), Jesse Plemons und Kodi Smit-McPhee (jeweils Nebendarsteller) sowie Kristen Dunst (Nebendarstellerin) gleich vier Nominierungen in Schauspielkategorien.

Seinem Ruf gerecht wurde auch das auf Frank Herberts Kultroman beruhende Sci-Fi-Spektakel "Dune", das allen voran in technischen Sparten wie Kamera, Filmschnitt, Produktionsdesign oder visuelle Effekte reüssierte. Nichts wurde es hingegen mit der zweiten Regie-Nominierung für Villeneuve nach "Arrival", aber immerhin kann der Kanadier auf einen Preis für das beste adaptierte Drehbuch hoffen. Kenneth Branaghs Schwarzweiß-Drama "Belfast" folgt mit sieben Nominierungen, darunter für den besten Film, die beste Regie sowie zwei Nebendarsteller (Judi Dench und Ciarán Hinds). Gleichauf findet sich Steven Spielbergs Neuinterpretation der "West Side Story", die der Hollywoodlegende einen dritten Regie-Oscar einbringen könnte.

Neben Campion, Branagh und Spielberg ist mit Paul Thomas Anderson ("Licorice Pizza") ein Indie-Liebling unter den Regie-Anwärtern sowie eine Überraschung: Der Japaner Ryūsuke Hamaguchi war mit "Drive My Car" im Vorfeld zwar hoch gehandelt worden, doch musste nicht zwingend damit gerechnet werden, dass es neben der Nennung für den Auslands-Oscar auch noch für Regie, Bester Film und eine Anwärterschaft auf das beste adaptierte Drehbuch reichen würde. Aber Literaturadaptionen scheinen heuer in Mode zu sein, basiert doch "Drive My Car" auf einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami.

Mit vier Gewinnchancen ist der Film damit der schrägen Weltuntergangssatire "Don't Look Up" von Adam McKay ebenbürtig, die allerdings seinem prominenten Hauptdarstellerpaar Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence kein Glück brachte. Stattdessen misst sich Cumberbatch für den Hauptdarsteller-Oscar mit einer illustren Runde aus Javier Bardem ("Being the Ricardos"), Andrew Garfield ("tick, tick...BOOM!") sowie Will Smith ("King Richard") und Denzel Washington ("The Tragedy of Macbeth"). Bei den Darstellerinnen gehen Jessica Chastain ("The Eyes of Tammy Faye"), Olivia Colman ("The Lost Daughter"), Penélope Cruz ("Parallel Mothers"), Nicole Kidman ("Being the Ricardos") und Kristen Stewart ("Spencer") ins Rennen.

Chancen für Tennisdrama

Mit sechs Nennungen ebenfalls im oberen Spitzenfeld der Gesamtnominierungen finden sich schließlich noch das Sportdrama "King Richard" von Reinaldo Marcus Green, in dessen Zentrum der Vater der Tennisstars Venus und Serena Williams steht. Für ihre Leistung in diesem Film wurde Aunjanue Ellis als beste Nebendarstellerin nominiert, wobei das Fünferfeld von Dunst, Dench, Jessie Buckley ("The Lost Daughter") und Ariana DeBose ("West Side Story") komplettiert wird. Bei den männlichen Nebendarstellern bekommen es Hinds, Plemons und Smit-McPhee noch mit J.K. Simmons ("Being the Ricardos") sowie Troy Kotsur ("Coda") zu tun. (apa)