Houchang Allahyari ist ein unermüdlicher Geschichtenerzähler. Der aus Teheran stammende österreichische Filmemacher und Arzt hat erst vor einem halben Jahr sein Flüchtlingsdrama "Goli Jan" herausgebracht, jetzt, mit 81, folgt schon sein nächstes Werk "7 Stories About Love", das er in Co-Regie mit Babak Behdad realisiert hat. Es ist ein amüsanter, zärtlicher, einfühlsamer, aufrüttelnder kleiner Versuch über die Liebe, den Allahyari in seiner einstigen Heimatstadt Teheran gedreht hat; vieles hier spielt zwischen Tür und Angel, in flüchtigen Momenten, gegossen in erzählerische Miniaturen, manchmal auch zugespitzt zu einem Sketch.

Die Liebe, der sich Allahyari in seinen sieben Episoden annähern will, wird er und der Zuschauer wohl nicht enträtseln können, wohl aber ist "7 Stories About Love" ein kleines Panoptikum der Spielformen der Liebe; Allahyari erzählt etwa von zwei vormals Liebenden in einem Taxi, ein Dialog, der Vergangenes erahnen lässt und ein zukünftiges Miteinander ausschließt. Das Taxi als Vehikel für die Geschichte ist dabei typisch für Teheran, eine Stadt, in der man schon kleinste Strecken im (Gemeinschafts-)Taxi zurücklegt. Andere iranische Filmemacher haben dafür schon Goldene Bären gewonnen (Jafar Panahi für "Taxi Teheran").

Liebe im Taxi

Bei Allahyari ist das Transportmittel aber auch ein Synonym für die stete Bewegung: "Man sollte von Ort zu Ort ziehen", verkündet ein Lied im Film, und meint damit nicht nur die örtliche, sondern vor allem die polygame Abwechslung im Alltag: Aber sich immer wieder einen neuen Partner oder eine neue Partnerin zu suchen, das ist beileibe nicht jedermanns Sache in diesem Film.

Eine andere Episode erzählt von einer Frau, die ihrer Friseurin von ihrem Geliebten berichtet, der sie verlassen hat; der gehörnte Ehemann ist dabei nur eine Fußnote, und spätestens hier wird klar, wie überraschend Allahyaris Analyse der modernen iranischen Gesellschaft ausfällt: Hier ist das Frauenbild geprägt von selbstbewusster, kämpferischer Weiblichkeit, die sich nicht mehr vorschreiben lässt, was sie zu denken, zu fühlen und zu tun hat; zwar durchdringt den Film der Schatten des auf starken Traditionen fußenden iranischen Gesellschaftsgefüges, aber Allahyari macht deutlich, dass die Bilder des Westens, die man gemeinhin vom Leben in islamischen Ländern hat, so auf gar keine Weise zutreffend sind, sondern meist Klischees reproduzieren. Die starke Betonung der Präsenz von Frauen in diesem Film ist dafür ein eindrucksvolles Zeichen.

Zugespitzt erzählt Allahyari dann von einer Frau, die ihren Mann und die beiden Malermeister zur Schnecke macht, weil diese die Wände in der neuen Mietwohnung in der falschen Farbe ausgemalt haben: Wie ein Vulkan entlädt sich hier eine weibliche Dominanz über völlig verdutzte Männer, die blau und rosa bemalte Wände wieder umfärben müssen. Die Frau, sie setzt sich durch in dieser Gesellschaft.

Liebe und Tradition

Es mag vielleicht auch die Wunschvorstellung des altersmilden Regisseurs sein, die solche Szenen hervorbringt, aber Houchang Allahyari ist durchaus ein realistischer Optimist; die Tradition gewinnt in einer anderen Episode die Überhand, in der ein getrenntes Paar über die eigene Scheidung spricht, aber nicht weiß, wie sie diese seinen Eltern beibringen soll. Diese Szene ist auch visuell vortrefflich gelöst, indem Allahyari sie zweimal zeigt: einmal mit den Gefühlsregungen der Frau, einmal mit jenen des Mannes. Eine raffinierte Spiegelung, die zeigt, dass Mann und Frau durchaus im selben Boot sitzen, wenn es darum geht, den Ansprüchen der eigenen Eltern gerecht zu werden.

Am Ende führt der Regisseur all diese Geschichten in einem Wartesaal auf dem Bahnhof zusammen. Dort tritt Allahyari selbst auf, als alter Mann, der sich unendlich freuen würde, wenn die fremde Frau, die er gerade angesprochen hat, ihn zum Zug begleitete und ihm nachblickte. Das ist ein bisschen poetisch und schön und resignativ. Wie die Liebe in ihren sehnsüchtigen und enttäuschenden Momenten auch.