Zweimal hat Reinhard Schwabenitzky den Wienern tief in die Seele geschaut. Einmal mit dem pionierhaften "Ein echter Wiener geht nicht unter" in den 1970ern, einmal mit dem schon mainstreamigeren "Kaisermühlen-Blues" in den 1990ern. Beide entstanden in bewährter Zusammenarbeit mit Autor Ernst Hinterberger. Der "Mundl" war 1975 nicht sofort ein Erfolg, das Fernsehpublikum musste sich erst an die laute Unflätigkeit auf dem Bildschirm gewöhnen.

Doch die flächendeckende Identifizierung mit dem "Brüllaffen", wie ihn zartbesaitete Kritiker nannten, blieb nicht aus. Und mit gerade einmal 28 Jahren sah sich Reinhard Schwabenitzky, der der Serie ihre unverwechselbare Gemeindebau-Tristesse verlieh, als "Starregisseur" bezeichnet: "Nach der vierten Folge besorgte ich mir eine Zeitung und dort war plötzlich vom ,Starregisseur Schwabenitzky‘ zu lesen. Dieser ,Starregisseur‘ war damals ein richtiger Schock. Ich habe mir mit Entsetzen gedacht: ,Und das soll’s gewesen sein?‘", erzählte er in einem "Wiener Zeitung"-Interview.

Das war es natürlich nicht. Aber der "Mundl" war bald abgehakt für ihn, denn so kongenial die Zusammenarbeit mit Ernst Hinterberger war, so wenig friktionsfrei war sie. Aber Schwabenitzky war selbst ein Mann mit eigenem Kopf. Das "kostete" ihn auch die Aufnahme im Reinhardt-Seminar: "Ich war wohl zu aufmüpfig. Mir hat die Art der Fragen und wie ich etwas gestalten sollte, nicht gepasst." Er störte sich an einer Regieauffassung, die dem Publikum etwas aufoktroyiert. "Regisseure, die sich wie Oberlehrer verhalten, die Autoren autoritär - sie nennen es modern oder zeitgemäß - interpretieren, so als wäre dies die einzige Weisheit. Sie lassen das Publikum nichts mehr entdecken; es wird entmündigt, dabei gehen der Unterhaltungswert und die Spannung verloren. Was bleibt, ist Langeweile."

Eine Zeitlang kam man Schwabenitzky und seiner Frau Elfi Eschke, die er als Hauptfigur etwa in "Büro, Büro", "Tour de Ruhr" oder den "Seitensprung"- und "Fast perfekt"-Trilogien inszenierte, nicht aus im ORF-Programm. Mit dem ORF hat Schwabenitzky jedoch zuletzt nicht das beste Verhältnis gehabt, Aufträge blieben nach einem Zerwürfnis mit Generaldirektor Alexander Wrabetz wegen der Serie "Oben ohne" aus.

Intrigante Branche

Aber Schwabenitzky schien insgesamt wenig von der Branche, in der er arbeitete, zu halten. So erzählte er einmal, dass seine mitunter beschwerliche und entbehrungsreiche Kindheit ihn gut vorbereitet hätte: "Man lernt hier Durchhalten. Das habe ich dringend gebraucht, um mit dieser flachen, oberflächlichen, intriganten Branche zurechtzukommen."

Geboren wurde Reinhard Schwabenitzky am 23. April 1947 im familiären Wirtshaus in Bucheben bei Rauris (Salzburg). Die ersten Erfahrungen als Schauspieler sammelte er als Kind, als er am Stadttheater St. Pölten in Inszenierungen seines Vaters, des späteren Burgtheaterdirektors Gerhard Klingenberg, mitwirkte. Als er sechs Jahre alt war, ließen sich die Eltern scheiden und der Vater übersiedelte nach Berlin, um als Regisseur in den Babelsberger Filmstudios zu arbeiten. Regelmäßige Besuche bei Dreharbeiten und eine erste kleine Rolle in einem Fernsehspiel Klingenbergs weckten im zwölfjährigen Schwabenitzky die Begeisterung für den Film. An der heutigen Filmakademie Wien studierte er Kamera und Regie und assistierte bei Franz Antel, Axel Corti und Bernhard Wicki.

Missverstanden gefühlt

Von Kritikern, die seine Filme als "leichte Komödien" abtaten, fühlte er sich meist missverstanden. Tatsächlich schwang bei Schwabenitzky oft Gesellschaftskritik mit, thematisierte der Kinohit "Ilona & Kurti" etwa Ausländerfeindlichkeit und behandelte sein auch in den USA gezeigter Thriller "Hannah" den aufflammenden Rechtspopulismus. Zuletzt legte der Regisseur auch noch seinen ersten Roman vor: "Stille Nacht und das Geheimnis der Zauberflöte" und gründete den Streamingsender nurdein.tv.
Am Mittwoch ist Reinhard Schwabenitzky mit 74 Jahren nach langer Krankheit gestorben.