Im Dezember 2001 verschärfte die US-Regierung ihren "Krieg gegen den Terror", und der 19-jährige Murat Kurnaz wollte gerade ein Flugzeug von Pakistan nach Deutschland besteigen, wo der türkische Staatsangehörige seinen legalen Wohnsitz hatte und mit seinen Eltern in Bremen lebte. Berichten zufolge wurde Kurnaz, nachdem die Amerikaner "Kopfgelder" für mutmaßliche Terroristen ausgesetzt hatten, festgenommen und ohne Gerichtsverfahren oder Beweise in Guantánamo Bay auf Kuba inhaftiert; Er wurde erst 2006 freigelassen, als Ergebnis eines leidenschaftlichen Kampfes seiner Mutter Rabiye, der darin gipfelte, dass ihr Anwalt ihren Fall nach Washington brachte und sensationell einen Haftprüfungsantrag vor einem Bundesgericht einreichte: Murat Kurnaz gegen George W. Bush.

Diese wahre Geschichte hat der deutsche Regisseur Andreas Dresen ("Halbe Treppe") nun verfilmt. Dresens ziemlich düstere und ernste Geschichte wirkt dank der vielen Inserts wie ein Dokudrama, ist dennoch versetzt mit einem ordentlichen Schuss Humor, besonders zu Anfang. Das braucht es auch, um diesen zutiefst ungerechten Fall zu ertragen.

"Es ist eine unglaubliche Ungerechtigkeit, was da geschehen ist", sagt Dresen im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" in Berlin. "Ganz egal, aus welcher Perspektive man es betrachtet: aus amerikanischer Perspektive, aus türkischer Perspektive, nicht zuletzt aber auch aus deutscher Perspektive. Es ist ein Politikversagen auf unterschiedlichsten Ebenen. Und wenn man sich dann klar macht, dass es Guantanamo heute noch gibt, dass da immer noch 39 Menschen sitzen, von 1500 GIs bewacht – das ist das teuerste Gefängnis der Welt", so Dresen. "Jeder Gefangene kostet den US-amerikanischen Steuerzahler 13 Millionen Dollar im Jahr. Da wüsste ich wirklich Besseres, was man mit diesem Geld anstellen kann". 

Als Dreh- und Angelpunkt der Erzählung fungiert Rabiye, die als treibende Kraft die Handlung voranbringt: "Das ist eine wunderbare Frau, die den Kampf aufgenommen hat gegen die großen politischen Verhältnisse, gegen die Mühlen der Justiz, und die sich in jahrelanger Hartnäckigkeit durchgesetzt hat", so Dresen. Zwar ist die Ungerechtigkeit mit der Erledigung dieses Falles nicht beendet, aber "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" hat sehr wohl eine Botschaft, die Andreas Dresen darin überaus geradlinig verbaut hat: "Mein Film soll am Ende ein Signal sein, nämlich dafür, dass die Welt am Ende des Tages trotzdem veränderbar ist und dass jeder es schaffen kann, diese Welt ein Stück weit zu verändern", so Dresen. "Meine Botschaft ist: Jeder kann es schaffen, man darf nur niemals verzweifeln".