Nathan hängt an einer Riesenkiste, die an Gurten befestigt ist und mit weiterem Ladegut hoch in der Luft herumwirbelt. Die Fracht ist noch an einem Transportflugzeug befestigt - vermutlich aber nicht mehr lange. Die Zeit drängt. Nathan kämpft mit dem extremen Gegenwind, der Schwerkraft und gegen seine Widersacher, die ihn natürlich töten wollen. Sein in den Gurten verhängter Fuß löst sich, Nathan wirbelt durch die Luft und schließlich rammt ihn noch ein roter Oldtimer. Ja, wirklich! Tatsächlich ein Auto in der Luft . . .

Diese Anfangsszene mag übertrieben klingen. Ist sie auch, aber nur bedingt: Denn "Uncharted" ist das Filmprequel zur gleichnamigen Videospiel-Reihe, die unter anderem mit überzogener Action beliebt wurde und mit irrwitzigen Szenen ins Spiel startet. So auch der Film: Es folgt ein harter Cut, und der Streifen rollt die Geschichte des Nathan Drake von seiner Jugend her auf. Als Waise versucht er mit seinem älteren Bruder Sam, eine Schatzkarte zu stehlen, doch sie werden erwischt, und Sam verschwindet spurlos.

Suche nach dem Bruder

15 Jahre später lebt Nathan (Tom Holland), der sich sein Gehalt als Barkeeper mit Trickdiebstahl aufbessert, in New York City, als der Schatzsucher Victor "Sully" Sullivan (Mark Wahlberg) ihm ein Geschäft vorschlägt: Er möchte das seit 500 Jahren verschwundene Gold des Entdeckers Ferdinand Magellan im Wert von fünf Milliarden Dollar finden. Das ist auch Santiago Moncadas (Antonio Banderas) Ziel, der Besitzansprüche für diesen Schatz erhebt: Seine Vorfahren hätten nämlich die damalige Expedition finanziert. Moncada engagiert dafür die skrupellose Killerin Braddock (Tati Gabrielle). Und los geht die Schatzsuche, die gleichzeitig die Suche nach dem verschwundenen Bruder ist.

Mit einem Touch von "Indiana Jones", "Da Vinci Code" und auch "Mission: Impossible" geht die Jagd rund um die Welt, der sich auch die durchtriebene Schatzsucherin Chloe Frazer (Sophia Ali) anschließt.

Regisseur Ruben Fleischer ("Venom") gelingt in der Videospielverfilmung nicht nur ein spektakulärer Abenteuer- und Actionfilm, sondern dank des Casts auch eine amüsante Best-Buddy-Geschichte. Obwohl die Wahl, Tom Holland als Nathan Drake zu besetzen, im Vorfeld heftig kritisiert wurde, - im Videospiel ist diese Figur älter, größer und äußerst durchtrainiert -, geht seine Darstellung auf: Nicht nur, weil Nathan im Prequel wesentlich jünger als im Spiel ist, sondern auch, weil er im Film mit seinem Charme, seinem Wissen und seinen Missgeschicken punkten kann. Und trainiert ist er außerdem.

Sympathisch im Schlamassel

Wenn Nathan etwa in einer Kampfszene beim Kick gegen den Oberkörper seines gigantischen Gegenübers erbärmlich abprallt und mit erstauntem Gesicht am Rücken landet sowie dessen schottischen Akzent nicht versteht, so sympathisiert man gleich mit dem Patscherl und seinem Schlamassel. Die Dialoge mit Sully, also Mark Wahlberg, sind spaßig, oftmals setzt Fleischer auf Slapstick. Antonio Banderas als Bösewicht mit seinem knurrenden Spanisch ist halt einfach Banderas. Aber auch Sophia Ali und Tati Gabrielle sind perfekte Mit- und Gegenspieler.

Dass die Figuren keinen besonderen Tiefgang entwickeln, überrascht nicht, man erwartet es auch nicht in diesem Genre. "Uncharted" ist ein Hollywood-Blockbuster, wie man ihn sehen möchte. Auch Fans des Videospiels, sofern sie Holland vorab eine Chance geben, werden nicht enttäuscht. Übrigens: Nach dem Abspann sitzen bleiben!