Das elegante, zarte Mädchen ist eine deutsche Millionenerbin, die in New Yorks High Society zu Hause ist. Der smarte, charmante und nur in Markenmode gekleidete junge Mann wiederum ist der Chef und Sohn der Diamanten-Levievs. Auch für ihn spielt Geld keine Rolle. In vollen Zügen genießen sie ihr Leben, reisen in Privatjets - teure Hotels, noch teurere Kleidung, noch viel teurere Autos, einfach alles ist unvorstellbar kostenintensiv. Doch die beiden haben etwas gemein: Sie sind Hochstapler. Und nichts, rein gar nichts, ist wahr an ihren aufgetischten Geschichten, mit denen sie Menschen betrogen und um ihr Geld brachten.

Da ist einmal Anna "Delvey" Sorokin: Sie ist eine verurteilte Hochstaplerin, der es gelungen ist, Hotels, renommierte Banken und Unternehmen sowie die gesamte High Society hinters Licht zu führen und glauben zu machen, dass sie als Millionenerbin den finanziellen Background besitzen würde, in Manhattan das Kulturzentrum Anna Delvey Foundation (ADF) mit Hotel, Galerien und Restaurants erschaffen zu können. Und beinahe wäre es der mittellosen Tochter russischer Einwanderer im deutschen Eschweiler auch gelungen.

Kratzt an der Oberfläche

Fiktion ist "Inventing Anna" - zurzeit auf Netflix zu sehen - keinesfalls. Es gibt sie wirklich. Sorokin wurde bereits aus der Haft entlassen und sitzt nun wieder, weil ihr Visum abgelaufen sein soll.

Die neunteilige Miniserie zeichnet den kriminellen Werdegang nach, Julia Garner spielt Anna, deren Persönlichkeit in dieser Serie doch einige Fragen offen lässt. Erzählt wird die Geschichte anhand von Vivian Kents (Anna Chlumsky) Recherchen. Die Hochschwangere möchte mit dieser Story ihren Ruf wiederherstellen.

Bei den Zusehern ist "Inventing Anna" äußerst beliebt und auf Nummer eins der Netflix-Charts. Jedoch kratzt die Serie nur an der Oberfläche und bietet, abgesehen von pompösen Bildern eines Jetset-Lebens, wenig Spannendes. Vielmehr bekommt Anna Sorokin einen aufgezwungenen feministischen Touch, der die Schwere des Verbrechens nicht mindern sollte. Vielleicht wäre eine Dokumentation anstelle der gespielten Serie seriöser gewesen.

Wie es Netflix in "Der Tinder-Schwindler" versucht: Die Dokumentation erzählt die wahre Geschichte von Shimon Hayut, auch bekannt unter einem seiner - zahlreichen - Pseudonyme Simon Leviev, einem angeblichen israelischen Milliardär, der sich als Chef und Erbe des Diamantenimperiums Leviev, Pilot oder auch als Mossad-Agent ausgibt. Seine Opfer findet er auf der Dating-App Tinder. Nach einigen Monaten Beziehung täuscht er seinen Freundinnen, meist mehrere gleichzeitig in verschiedenen Städten, vor, in Gefahr zu sein und deshalb auch in Geldnot. Er würde das Geborgte natürlich sofort zurückzahlen, sobald er in Sicherheit sei. Mitnichten. Cecilie, Pernilla und Ayleen nehmen für ihre vorgegaukelte Liebe hohe Kredite auf. Für manchen Zuseher sorgt diese Leichtgläubigkeit nur für Kopfschütteln.

Die Doku - ebenfalls ein Nummer-eins-Hit auf Netflix - erzählt aus der Sicht der drei Frauen von Shimon Hayut Machenschaften, für die er 15 Monate in Haft war. Tinder verbannte ihn übrigens aus der App.