"Das gefährlichste Wesen ist eine Frau, die ihren Verstand einsetzt", ist nur einer der Merksätze, die Richard Williams (Will Smith) seinen fünf Töchtern - unter ihnen Venus (Saniyya Sidney) und Serena (Demi Singleton) - einbläut. "Ja, Papa", ist wohl einer der häufigsten Sätze, den die Kinder antworten. Richard erzieht sie gemeinsam mit seiner Frau Brandi (Aunjanue Ellis) nach einem 78-seitigen Plan, den er bereits vor ihrer Geburt festgelegt hat.

Der Plan geht auf

Und erstaunlicherweise geht dieser Plan Jahre später auf: Die beiden Mädels werden zu Tennis-Weltstars. Dass der Weg dorthin schwerfällt, braucht man nicht extra zu betonen. Doch zusätzlich zu dem schwierigen Unterfangen, seine beiden Töchter überhaupt erst zu Tennisprofis zu formen, muss diese Familie aus dem schwarzen Ghetto Compton, einer Stadt im Los Angeles County, gegen sämtliche Vorurteile der weißen Tenniselite der 1980er Jahre kämpfen. Aber auch innerhalb des Ghettos wird Richard schon einmal von Banden verprügelt, wenn er seine "Cinderellas", wie er sie nennt, vor ihren Anmachversuchen schützen möchte. Richards und Brandis Ziel ist es, ihre Töchter einerseits mit Bildung und andererseits mit Sport aus dieser Nachbarschaft zu befreien: mit Drill, mit Ehrgeiz, mit Verzicht. Auch für die Eltern übrigens, die in Schichten - einerseits als Krankenschwester, andererseits als Nachtwächter - arbeiten, um die Töchter coachen zu können.

Richards Plan hat in dieser Familie oberste Priorität. Für dessen Umsetzung hat er auch keinen Genierer, wenn er mit seinen Töchtern die besten Trainer aufsucht, um ein kostenloses Coaching einzufordern. "Es ist, als würde man jemanden bitten, zu glauben, dass die nächsten zwei Mozarts unter Ihrem Dach leben", hört da Richard von einem Profi-Trainer, der seine Entscheidung wohl noch bereuen wird.

Stur und zwanghaft

Das Biopic "King Richard" - bei dem übrigens die legendären Tennisschwestern als ausführende Produzentinnen mitwirkten - wird seinem Titel gerecht: Es ist nicht nur die Kindheits- und Jugendgeschichte von Venus und Serena, die selbst in strömendem Regen auf einem Ghetto-Tennisplatz übten bis zum professionellen Debüt von Venus im Alter von nur 14 Jahren und ihrem Match gegen Arantxa Sanchez Vicario, die damals zweitbeste Spielerin der Welt. Es ist auch ein interessantes Porträt für Nicht-Tennis-Fans: Denn unter der Regie von Reinaldo Marcus Green ("Joe Bell") wird die Entwicklung eines unnachgiebigen Mannes und Vaters gezeigt, dessen Kontrollzwang fast die Karrieren im entscheidenden Moment riskiert.

Will Smith gibt den sturen Vater, den seine selbstauferlegte Last beinahe zu Fall bringt und der selbst den besten Trainern noch vorgibt, wie sie seine Töchter zu coachen haben. Zu Recht ist er oscarnominiert.