Am 23. März wird Michael Haneke 80 Jahre alt, ein schöner Grund für das Österreichische Filmmuseum, ab Freitag bis 2. Mai eine Retrospektive zu Ehren des Jubilars, Oscar- und Palmenpreisträgers zu veranstalten, an dessen Eröffnung Haneke persönlich teilnehmen wird. Auch bei der Vorstellung der digital restaurierten Fassung seines TV-Zweiteilers "Lemminge" (1979) am 5. März wird Haneke zugegen sein. Dieser TV-Film nimmt insofern einen wichtigen Stellenwert in Hanekes Werk ein, als er darin die eigene Kindheit im Wiener Neustadt der 1950er Jahre reflektiert.

Michael Haneke mit Isabelle Huppert, 2017 in Cannes. 
- © K. Sartena

Michael Haneke mit Isabelle Huppert, 2017 in Cannes.

- © K. Sartena

Die Werkschau im Filmmuseum zeigt fast alle Arbeiten des Künstlers, natürlich preisgekrönte Dramen wie "Caché" (2005), "Das weiße Band" (2010) oder "Amour" (2012), sämtliche Kinofilme von "Der siebente Kontinent" (1989) über "Bennys Video" (1992) und "Funny Games" (1997) bis hin zu seiner bis dato letzten Arbeit "Happy End" (2017).

Interessanter dürfte jedoch die seltene Gelegenheit sein, Hanekes TV-Arbeiten neu zu entdecken, darunter die Bachmann-Interpretation "Drei Wege zum See" (1976), Hanekes Rosei-Adaption "Wer war Edgar Allan?" (1984) mit Paulus Manker in der Hauptrolle, die TV-Kritik "Nachruf für einen Mörder" (1991), die famose Kafka-Verfilmung "Das Schloss" (1997) mit Ulrich Mühe oder das opulent-sarkastische Juwel "Fraulein" (1986), das die Nachkriegszeit und die eskapistische Funktion des Kinos in ganz ungewohnten Haneke-Bildern erörtert.