Das letzte Mal, als Ahmet geweint hat, da war er noch ein Kind. Er weiß gar nicht mehr, wie das geht. Der Sohn türkischer Einwanderer ist ein Soldat beim österreichischen Bundesheer und verdingt sich auch als Boxer. Aber irgendetwas sagt dem jungen Mann, dass er sich in seiner Haut nicht wohlfühlt. Es entwickelt sich eine Gegenwehr zu dem, was ihn eigentlich ausfüllen sollte. Also beschließt Ahmet, sich selbst bewusster wahrzunehmen. Das gelingt ihm, indem er seinen Jugendtraum verwirklicht: Er beginnt, Schauspielunterricht zu nehmen. In den Kursen wird Ahmet angewiesen, Schwäche zu zeigen und schließlich in einer Szene in Tränen ausbrechen. Aber wie weint man, wenn man das nicht kann?

Viele Facetten

Jannis Lenz porträtiert in "Soldat Ahmet" einen facettenreichen Menschen, der ein breites Spektrum an Emotionen in sich trägt, die sich mal in seiner starken physischen Präsenz zeigen, mal in zärtlichen Momenten und in leisem Humor. Lenz entwirft mit dieser dokumentarischen Arbeit, die erstmals bei der Diagonale 2021 vorgestellt wurde, auch ein Bildnis migrantischen Lebens in Österreich, das vor allem von der Schwierigkeit erzählt, akzeptierter Teil dieser Gesellschaft werden zu können. Daneben lässt der Film auch tief in die Seele eines jungen Mannes blicken, der für sich entschieden hat, seine Gefühle ernst zu nehmen. Dass Soldaten niemals weinen, wie Ahmet überzeugt ist, wird sich auch als Mär herausstellen.